Biermann als Sankt Georg

Die 25ste Beerdigung der verstorbenen DDR

Autor: U. Gellermann
Datum: 07. November 2014

Die TV-Übertragung des Bundestag-Festivals zum 25. Jahrestag des Mauerfalls begann stilecht mit einem Verhör Gregor Gysis zum Unrechtsstaat: Ob er denn nicht doch dafür sei, gegen den DDR-Unrechtsstaat zu sein, wollte der Blockwart von Phoenix-TV wissen und schloss seine Vorab-Inquisition mit einer Warnung an die LINKEN: Gleich wolle er doch mal sehen, ob die denn auch die Nationalhymne mitsingen würden. Das würde er ganz genau beobachten! Leider gab es keine Bilder von den Abgeordneten zur Hymne, und so wissen wir denn auch nicht, wer nach dem Nicht-Singen auf dem Phoenix-TV-Scheiterhaufen gelandet sein könnte.

Aber als das Ruhrkohle AG-Aufsichtsratsmitglied Norbert Lammert, das im Nebenberuf Bundestagspräsident ist, zur Eröffnung der 25-Jahre-Sitzung aus seinem Zylinder ein altes Karnickel holte, das sich umgehend als Drachentöter ausgab, wurde es dann doch lustig. Denn der Sänger Wolf Biermann, von Lammert für die Feier angeheuert, behauptete fest, er sei hauptberuflich Drachentöter. Er musste noch vor dem Singen die "Drachenbrut", er meinte die Linkspartei, mit seiner eingelegten Lanze anpöbeln. Die sei doch einfach reaktionär. Der Drachentöter Sankt Georg hat in der katholischen Mythologie nicht nur eine Jungfrau befreit. Das soll dem Biermann mit den Jahren auch bei einigen Jungfrauen geglückt sein. Der Heilige Georg hatte anschliessend außerdem eine Massentaufe unter den Heiden angerichtet. Genau das versucht Biermann schon lange. Doch die meisten LINKEN blieben bisher hartnäckig ungläubig. Es muss eine völlig untaugliche, christliche Marinade gewesen sein, in die der Barde seine Zwangstaufen-Lanze eingelegt hatte.

Lammert hält sich für einen Fuchs. Hatte er doch zum Jahrestag des DDR-Endes eine große Auswahl unter den DDR-Oppositionellen gehabt, die zu diesem Anlass hätten reden können. So zum Beispiel den Pfarrer Schorlemmer, der 1968 bereits gegen die Ereignisse in der CSSR opponierte, als Biermann sich noch als Sozialist verstand und bei Margot Honecker ein und aus ging. Aber Friedrich Schorlemmer hätte nachdenkliche Töne angeschlagen. Nachdenken sollten die Abgeordneten aber nicht, sie sollten mit Biermann den Sieg der alten Bundesrepublik über die DDR feiern. Der kundige LINKEN-Abgeordnete Diether Dehm hatte dem Sänger vorab vorgeschlagen, er solle doch so ein schönes seiner alten Lieder singen wie "So oder so, die Erde wird rot". Oder auch das von den Soldaten in grauer Norm vortragen, die sich alle gleich sind. Dieses alte Lied passe doch gut zu den neuen deutschen Auslandseinsätzen. Das mochte Biermann aber nun wirklich nicht.

So nahm denn das Festival weiter seinen Lauf: Die GRÜNEN redeten über die Freiheit. Auch die CDU und sogar die CSU nahmen das Wort in den Mund. Einzig die SPD-Abgeordnete Iris Gleicke mochte daran erinnern, dass die Mauer auch ein Ergebnis von Faschismus und Krieg war. Und nur Gregor Gysi war es zu verdanken, die vorhandene Mauer zwischen den Armen und den Reichen auf die Bundestagsbühne gebracht zu haben. Und nur er mochte in Erinnerung bringen, dass weder die DDR noch die alte Bundesrepublik in den Jahren ihres Bestehens jemals Krieg geführt hatten.

Hätte aber jemand gesagt, dass der Mauerbau, die Zweiteilung der Welt faktisch schon mit dem Abwurf der Atombombe über Hiroshima und Nagasaki begonnen hatte. Und dass die Blockspaltung mit einem Kriegsverbrechen der USA begann, das nur die Sowjetunion von einem weiteren Vorrücken in Fernost abschrecken sollte und so die Anti-Hitler-Koalition der Alliierten aufkündigte, diese schlichte Wahrheit auszusprechen hätte das Bundestags-Festival zum Ende der DDR vielleicht zu Erkenntnissen führen können. Statt also die Mauer als ein schreckliches Ergebnis der Zweiteilung der Welt zu werten, durfte irgendeiner von der CDU darüber fantasieren, dass es eine Verleumdung sei, wenn man in der Kiewer Regierung Faschisten feststelle. Dass der Mann tapfer auf der Seite neuer Mauer-Projektierer an der ukrainisch-russischen Grenze jubelte: Geschenkt.

So wurde dann Wolf Biermann mit seinem Lied "Du, laß dich nicht verhärten in dieser harten Zeit" von Phoenix-TV in der Umbaupause noch mal gespielt. Schließlich haben die Zuschauer doch Gebühren gezahlt! Dass die Zeiten tatsächlich härter werden, dass die alte Block-Konfrontation in neuem Gewand wiedergekehrt ist und dass, wer jetzt Sanktions-Härte zeigt, nur dem nächsten Krieg näher kommt, diesen Erkenntnisgewinn mochte man den Zuschauern nicht zumuten.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 16. November 2014 schrieb Maik Hamburger:

UND NOCH EIN REIM NACH VILLON:

Man schlage ihnen ihre Fressen


Mit schweren Eisenhämmern ein -


Ja denkste, Wölfchen! Unterdessen


Dreht sich im Grabe mein Gebein!



Am 14. November 2014 schrieb Maik Hamburger:

Biermann sieht sich gerne in der Nachfolge von Francois Villon! Heilige Einfalt!

Man schlage ihnen ihre Fressen
Mit schweren Eisenhämmern ein -
Schön wärs! Da dreht sich unterdessen
Im kühlen Grabe mein Gebein!
(Frei nach F.V.)


Am 13. November 2014 schrieb Ernst Grobschmied:

Unter dem Strich zeigt sich, dass es genügend Leute aus dem Osten gibt, die noch eine alte Rechnung offen haben. Heute besetzen diese mit Hilfe von US-Förderung entscheidende politische Positionen. Es scheint eine wirksame Strategie, um so den bösen Iwan beizukommen.
Merkels Bewerbungstour 2003 bei W.Bush war nicht der Beginn für Konfrontation - statt Versöhnung des freien Westens mit dem sozialistischen Osten.
Das begann schon 1940 mit US-Unterstützung Hitlerdeutschlands mittels Gratislieferungen von Treibstoff, um Krieg gegen die Sowjetunion führen zu können.
Ein Wolf Biermann sollte bei allem Unrecht, das ihm geschah auch darüber nachdenken, bevor es zu spät ist zu bereuen.


Am 11. November 2014 schrieb Michael Meier von Rouden:

Anzumerken ist, daß das Lied "Ermutigung" heißt und dem von der SED-Führung schikanierten und letztlich aus dem Lande getriebenen Dichter Peter Huchel gewidmet ist.

Es paßte nicht so recht in diese Veranstaltung.

Exakt gepaßt hätte B.s Barlach-Lied und das geht so:

Ach Mutter, mach´ die Fenster zu es kommen tausend Ratten
Die hungrigen sind vorneweg, dahinter komm´ die satten
Was soll aus uns noch werden uns droht so große Not
Vom Himmel auf die Erden fall´n sich die Engel tot


Am 10. November 2014 schrieb Johann Weber:

"Biermann hatte ein glänzendes Gedächtnis. Er ging davon (aus intimen Gesprächen mit anderen) und machte sich Notizen. Aus dem Material der Aufgesuchten und Getäuschten knüpfte er ein langes Lied, in dem er sie alle offenbarte und denunzierte, sie zynisch aburteilte. Dieses Lied schickte er auf einem Tonband an Klaus Gysi, den damaligen Kultur minister. Nach der Ablieferung rief Biermann mich (Gisela Steineckert) an und erzählte mir von seinem Coup. Ich sagte: „Aber das ist Verrat.“ Er sagte: „In der Politik ist Verrat ein Mittel wie jedes andere.“
Erschienen im Rotfuchs, Extra-Ausgabe Mai 2014
http://www.rotfuchs.net/zeitung/archiv.html


Am 10. November 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Wie Jan Josef Liefers nicht nur Biermann sieht…

Ein paar Worte seien noch dem hierzulande sehr populären Schauspieler Jan Josef Liefers gewidmet, der gestern Abend bei „ Günter Jauch“ zum Besten gab, den Auftritt Biermanns im Bundestag mit seinen Injurien gegenüber der Linken völlig in Ordnung zu finden.
Ferrero- und Rocher-Werbestar Liefers gehört seit seiner Rede am 4.11.1989 auf dem Berliner Alexanderplatz zu den ostdeutschen Wende-Musterknaben, die mit absoluter Treue die westliche Lesart der Wiedervereinigung übernommen haben. Kritisch natürlich! So wie Jan Josef Liefers von den deutschen Medien überhaupt als das wandelnde Gesamtkunstwerk eines vorbildlich kritischen, nicht angepassten, etwas flippigen, sozial engagierten und sich politisch einmischenden Bürgers und Künstlers inszeniert wird – und sich so vor allem selbst inszeniert. Ohne die Gäste Liefers und seine Frau Anna Loos, dem deutschen Traumpaar des Boulevards gleich nach Helene Fischer und Florian Silbereisen, erschienen über Jahre fast sämtliche Talk- und Unterhaltungsshows auf allen TV-Kanälen fehl- oder unterbesetzt.

Kaum war das katastrophale Erdbeben in Haiti vom Januar 2010 abgeklungen und die Erde wieder ruhig, sah man schon Jan Josef Liefers nebst Gattin und Sean Penn als Unterstützer der Organisation ONE in Port-au-Prince Gutes tun. Oder man sah ihn im Schlepptau von Bob Geldof, Grönemeyer und Bono auf der Rostocker Rock-Bühne aus Anlass des G8-Gipfels in Heiligendamm 2007. Liefers lehnt sich gegen die Armut und die Folgen des Klimawandels auf. Das ist gut. Und dann tut er noch Gutes für Kinderhospize und zur Erforschung seltener Erkrankungen usw. usw. Für sein soziales Engagement wurde ihm jedenfalls schon der Bundesverdienstorden angeheftet.

Das ist auch alles sicher löblich und einige dieser auf Spenden gestützten Aktionen haben auch ihren Sinn. Leider aber ändern sie nichts an den strukturellen Faktoren, die eine (auch nur halbwegs) gerechte Teilhabe aller Menschen an den Ressourcen dieser Welt verhindern und damit Armut produzieren. Die Armut bleibt mit oder ohne das Engagement solcher Edelmänner- und Edelfrauen wie dem Milliardär Bono, Millionären wie Geldof und Edelherzen wie Liefers und Loos nicht nur dieselbe, nein, sie wächst. Deshalb verschleiern diese Initiativen und Aktionen den Blick auf die wirklichen Ursachen von Verteilungsungerechtigkeit und Armut, eine kritische Auseinandersetzung mit Ursache und Wirkung wird erfolgreich vermieden, und das ursächlich verantwortliche System wird dadurch letztlich gestärkt.
Und genau hier liegt das „Geheimnis“, warum Liefers den Eliten dieses Landes so nahe ist und diese ihm: Von diesem Mann geht keinerlei Gefahr aus. Im Gegenteil, Liefers Art kritisch-politischer Wahrnehmung ist ein Segen, ja geradezu ein Glücksfall für die Stärkung und noch tiefere Implementierung des Kapitalismus und Neoliberalismus in diesem Land und der damit zunehmenden Entsolidarisierung und Entdemokratisierung. Der arme Tropf und Wichtigtuer ist nichts weiter als eine Marionette der Herrschenden.

Der Nachfrage Günter Jauchs nach der Einspielung eines Ausschnitts aus der Rede Liefers vom 4.11.1989, in der er damals für einen „demokratischen Sozialismus“ warb, wie es denn heute mit diesem politischen Wunsch bei ihm aussähe, wich Jan Josef Liefers wortreich aus.


Am 09. November 2014 schrieb Jürgen Heiducoff:

Was für ein Tag
Danke Ulrich Gellermann für diesen Beitrag.
Mit der Inszenierung Biermanns im Bundestag haben die Verantwortlichen das deutsche Parlament lächerlich gemacht - vor allem auch bei unseren Nachbarn.
Diese angeordnete Einheitseuphorie heute in den staatlich verordneten Medien erinnert mich an das DDR-Fernsehen. "Ganz Berlin feiert", verkünden ZDF und ARD. Ich sehe in Köpenick aus dem Fenster und merke nichts vom Feiern. Die verordneten Emotionen kommen hier nicht an.
Diese groß angelegte Jubelparade soll über die tiefe Krise, in die der Neoliberalismus auch unser Land geführt hat, hinwegtäuschen.
Frieden und Freiheit sind wieder die großen Leitsprüche. Eine aktive Außen- und Sicherheitspolitik für einen nachhaltigen Frieden vermisse ich aber.
Was für ein Tag - ein verlogener, ja widerlicher Tag.
Die Medien sind in übler Weise deprimierend gleichgeschaltet. Die wollen uns verarschen! Die behandeln uns wie Unmündige. Da wurde in alle Briefkästen diese abstoßende Bildzeitung gesteckt. An den darin befindlichen Inseraten der Deutschen Bank, von Konzernen wie Siemens und VW ist leicht zu erkennen, welche Kräfte hinter den Kulissen agieren und ein ganzes Volk für dumm verkaufen wollen.

Was bleibt morgen von der Jubelkulisse um das Brandenburger Tor übrig?
Nur wenige Meter entfernt werden Obdachlose auf den Parkbänken frieren. Im Adlon nebenan werden Sektorgien gefeiert. Flüchtlinge, die ihr Heil in unserem Land suchen, werden weiter gedemütigt bleiben. Fleißige Deutsche werden Almosen in den Amtsstuben erbitten und dabei immer wieder ein Stück ihrer Ehre verlieren.
Was für ein Tag. - Ich schäme mich für soviel Lüge und so wenig Achtung vor der Würde der Menschen.

Die Ansprachen von Bundespräsident und Kanzlerin der letzten Tage sind nur so gespickt mit Arroganz und deutscher Überheblichkeit. Da wird der Eindruck vermittelt, die "Deutschen" hätten die Einheit ihres Vaterlandes durch ihren Freiheitsdrang und die friedliche Revolution bewerkstelligt. Als habe Deutschland im freien Universum existiert. Als hätten nicht unsere Nachbarn auch großen Anteil an der deutschen Einheit. Kein Wort des Dankes an die Völker Russlands, die unser Volk vor der Teilung von der Brut des Faschismus befreit haben. Der Dank an Moskau, wo die Freigabe der DDR an den Westen entschieden wurde, sind Sanktionen und auch militärischer Druck.
Frieden und Freiheit? Diese Freiheit vor allem für das Kapital reißt neue Gräben durch unser Land, quer durch Europa und durch die Welt.


Am 09. November 2014 schrieb Pat Hall:

@ Babel Hopf, an alten Königshäusern bediente man sich gelegentlich mit Hofnarren.
Diese Kaste hat nun wieder Einkehr ?


Am 09. November 2014 schrieb Babel Hopf:

Danke Uli Gellermann! Und danke allen Kommentatoren. Es gibt ihn noch, den gesunden Menschenverstand im Konfettiregen der Sieger.

"Alte berühmte Männer, die viel, ja nahezu alles Menschenmögliche erreicht haben und nun plötzlich das Ende einer Leiter vor sich sehen, legen oft eine unangenheme Verbitterung an den Tag. Ihnen fehlt der matte Charme des alt gewordenen Verlierers. Zuweilen werden sie sogar gefährlich. Nichts und niemand - das Schicksal, die Gesellschaft, die Geschichte - ist ihnen etwas schuldig geblieben. Sie haben den Rahm abgeschöpft, satt sind sie, ruhmsatt und geldsatt, und nun sollen sie doch noch sterben? Unerhört!"
Silvia Bovenschen 2007

Nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass die Fraktionen des Deutschen Bundestages öffentlich machen sollten, warum sie (oder auch warum nicht) der Einladung Biermanns zum Festakt zugestimmt haben. Anderenfalls warum Herr Lammert diese Entscheidung im Alleingang getroffen hat, ja treffen konnte...


Am 09. November 2014 schrieb Reyes Carrillo:

Ich muss bekennen, dass ich mir in all den Jahren, die ich in diesem wiedervereinigten Deutschland, politisch vielfältig verzweifelnd, menschlich aber oft beglückt gelebt habe, niemals vorstellen konnte, welchen abgründigen Offenbarungseid diese Republik einst in diesen Tagen ablegen sollte. Fremdscham: Seit dem 7.11.2014 weiß ich, was dieser Begriff bedeutet. Ehrlich: Die Bilder und Worte aus dem Bundestag an jenem Datum hatten eine solch satirische Qualität, als würde man einem Festakt der Obersten Volksversammlung in Nordkorea beigewohnt haben. Der Vergleich ist saublöd und unpassend? Selbstverständlich. Hm, andererseits… Aber was bleibt bitte noch übrig angesichts des Unvergleichlichen? Eine derartig verlogene Vollversammlung (die LINKE freilich ausgenommen) gemeinsamem, wärmenden Einnässens mit anschließender Massenmasturbation galt mir selbst für dieses Land bisher als unvorstellbar. Den Kasper-Opa mit der Lederjacke fand ich, die diesen Neurotiker kaum kannte, nur lächerlich. Ich verstehe aber, nach einigem Nachrecherchieren, welche polarisierende Wirkung dieses Arschloch gerade auf deutsch-deutsche Linke ausüben muss. Zu Recht selbstverständlich. Dass Lammert den Sack, besser dessen geschwollene Eier autonom (die Eier) quatschen ließ – es hatte sicher niemand anders erwartet.
Nein, mich fluteten vor allem die besoffenen Redebeiträge dieser armseligen „Sieger“: Dieser Hochmut, diese groteske Dummheit, diese Verlogenheit, dieser Hass, dieses Ahistorische, triefend Ideologische, ja, dieses kollektive Gewichse eben, das den schmatzenden Soundteppich dieser widerlichen Fete kreierte.
Diese Politik, dieses heutige Deutschland, so wie ich es vorfand und wie es sich entwickelte, schnürt mir die Kehle zu.
@von Korty: Bis bald wieder mehr in Ihrer Nähe!

PS. Der von mir an sich sehr ambivalent rezipierte Mr. Gorbachov fand ja doch noch ein paar realistischere Festworte. Wenigstens einer. Doch "Die Zeit" titelt bereits: "Gorbatschow sieht in Nato-Osterweiterung keinen Wortbruch". Ein Lehrstück politischer Desinformation und Ablenkung!


Am 09. November 2014 schrieb Gerhard Wirth:

Wer hat denn am meisten von der Wiedervereinigung profitiert? Es waren die westlichen Konzerne und die in der Bundesrepublik ansässigen Erben von plötzlichem Grundbesitzgewinn auf DDR Territorium, die jedoch vorher die DDR noch nie gesehen hatten. 

Für die USA war Russland schon immer der Feind, nur die Faschisten um Hitler bedeuteten für Amerika die weitaus größere Gefahr und deshalb der kurzfristige Zwangszusammenschluss. Hätten die Faschisten, Deutschland den Krieg gewonnen, wären die USA wirtschaftlich erledigt gewesen. Nach dem Kriegsgewinn musste natürlich das alte Feindbild schnellstmöglich wieder zur Herstellung gelangen und die neu geschaffene Bundesrepublik eignete sich geografisch hervorragend zur Aufstellung von Raketen um die damalige UDSSR entsprechend zu bedrohen. 

Heute unterstützen die USA jedoch Faschisten in der Ukraine, weil sie sich strategische und wirtschaftliche Vorteile ausrechnen. Eine Gefahr für ihr Land sehen die USA bei den Faschisten in der Ukraine, im Gegensatz zu dem dritten Reich, hier nicht. Die faschistische Gefahr besteht nur für Europa und Europa ist dem Amerikaner egal. So sieht eben die "Freundschaft" aus, die nur Politiker und die Mainstream Medien erkennen können. Das Russland ein Teil von Europa ist und nicht die USA, möchten manche Politiker und Medien ebenfalls gerne geografisch ändern. Nur die Teile der Weltkugel lassen sich auch von Politikern nicht verschieben.


Am 09. November 2014 schrieb Jürgen Brauerhoch:

Wird dieser Narr von den Amis bezahlt--oder fällt ihm nichts mehr ein? Das war eine peinliche Show im Bundesreichstag


Am 08. November 2014 schrieb Herr Wurzelzwerg:

Eine Lehrstunde der Heuchelei und der Verlogenheit, der Geschichtsklitterung und der Angst vor Widerspruch, was sich am Freitag im Bundestag tat. Biermann passte da rein wie die Faust aufs Auge, der war die verfaulte Rosine im Topfkuchen. Zumindest wird er immer noch gebraucht, wenn es gegen Links geht.

Und wenn einer glaubt, früher habe Biermann besseren Schiss von sich gegeben, so handelt es sich wahrscheinlich um einen westdeutschen "Linken" - es ging ja gegen sein Feindbild DDR. Die wurde von ihm mehr gehasst als Aids und Ebola zusammen, Biermann hatte ihn da gut bedient. Von Enttäuschung kann überhaupt keine Rede sein, der war schon immer so: selbstgefällig, großmäulig und peinlich. Er hatte ja seine Claqueure.


Am 08. November 2014 schrieb Sven Heuser:

Gleich und Gleich gesellt sich gern:
Was eint die beiden? Lammert und Biermann? Hybris und asoziales Verhalten. Weil beide sich als Welterklärer mit erhobenem moralischen Zeigefinger und damit angemaßter Deutungshoheit regelrecht zelebrieren, favorisiert auf Kosten anderer und öffentlich. Sich überhöhen, um andere herabzuwürdigen. Beide kredenzen eine dünne Suppe, die, wenn überhaupt, nur den Geschmacksnerv des Boulevard und hündisch ergebener MSM erzielt. Gelächter und Applaus von diesen Zielgruppen scheint beiden übereitlen Fatzken eminent wichtig.

Lammert, ein Seifenoperpolitiker, ist doch der, der sich in seinen Vertrag den Passus reinverhandelt hat, Dienstwagen samt Fahrer auch nach Abwahl aus seinem zeitlich limitierten BT-Präs-Amt zu behalten und aus dem Steuertopf finanziert zu bekommen. Sein Vorgänger war ja bereits zum Fremdschämen geeignet, wenn u.a. auch aus optisch-ästhetischen Gründen. Der BT wurde zum Staatstheater umfunktioniert - auf unbegreiflich schlichtem Niveau.


Am 08. November 2014 schrieb Peter Lind:

Also - ich will mal den Wolf in Schutz nehmen: er mußte sich diesen Auftritt gönnen. Er hat ja ansonsten nicht so viele Leute die ihm zuhören. Es ist, und das schon lange, einsam um ihn geworden. Freunde hat er nicht viele, hatte er noch nie so recht. Die, die er hatte waren zumeist nur solange seine Freunde, wie sie ihm als für seine persönlichen Interessen und Eitelkeiten verwertbar erschienen. War da nichts für ihn heraus zu holen, trennte er sich von ihnen, es sei denn diese merkten das zuvor daselbst und ließen ihn früher links, heute rechts m Wegesrand liegen, enttäuscht, verstört, oder auch im Zorn.
Man lese da nur mal die Biographien einstiger Künstlerkollegen, dies aufmerksam und auch zwischen den Zeilen, Leute wie Reinhard Lakomy oder Angelika Domröse. Und bemerkenswert sind auch die Schilderungen seiner frühen Freunde und Mitstreiter aus den fünfziger/sechziger Jahren, jene Mitglieder des Arbeiter- und Studentenensembles, bestehend aus Studenten der Humboldt-Universität und des Elektroapparate-Werkes Treptow. Mit denen er sein Stück "Tu was" einstudieren wollte, und in dem im wesentlichen nur noch die Studenten übrig blieben, weil nach dem Empfinden des großen Theatermachers die Arbeiter aus dem EAW einfach mal zu blöde waren in einem Theater mitzuwirken.
Auch die Verstörung solcher Weggefährten an der Universität, welcherlei verschiedenste Studienmöglichkeiten die Wolf (im Gegensatz zu allen anderen) geboten bekam, er aber diese alle abbrach. Zur Beendigung seiner Ausbildung bei Hanns Eisler wußte er beispielsweise zu erklären: "Der Eisler konnte mir nichts mehr geben".
Wer eine solche, letztlich versemmelte Vita hatte und hat, der muß einfach, wenn er noch mal Gehör finden will, eine solche Chance ergreifen, wie sie ihm die Gabriels und Göring-Eckardts und Gaucks und Merkels und?, und?, und ?boten.

Und da stand er nun vor gerade mal halb vollem Saal, der elende Rest dessen, was mal ein toller Liedermacher hätte werden können. Ach Biermann, wolltest immer ein Mozart unter den Songwriter sein, und bliebst letztlich immer nur ein Salieri.


Am 08. November 2014 schrieb Jupp DerWal:

Da wächst halt zusammen, was ....
Mein Highlight: http://tinyurl.com/mljvalu

(Erika Steinbach auf Twitter: "Wolf Biermann war einfach wieder Spitze heute im Bundestag. Linke biss sich auf die Zähne, dass es knirschte!")


Am 08. November 2014 schrieb Marietta Slomka:

Auch von mir ein dickes Dankeschön für die treffende Analyse des unsäglichen "Auftritts" eines von der Geschichte fast vergessenen, dissidentischen Minnesängers.


Am 08. November 2014 schrieb Michael Leetz:

In der DDR geboren, bin ich mit den Liedern von Biermann aufgewachsen und habe sie geliebt. Als ich nun Wolf Biermann im Bundestag reden hörte, vielen mir folgende Worte Thomas Manns ein:


"Ich bin überzeugt, daß der Dichter, der heute in Dingen menschlicher Gesinnung, vor der politisch gestellten Frage des Menschen versagt und die Sache des Geistes an das Interesse verrät, ein geistig verlorener Mann ist. Er muß verkümmern, - nicht nur, indem er sein Dichtertum, sein `Talent´ einbüßt und nichts Lebenstaugliches mehr zustandebringt, sonder sogar sein früheres Werk, das noch nicht unter dieser Schuld geschaffen wurde und einmal gut war, wird aufhören gut zu sein und in den Augen der Menschheit zu Staub zerfallen."


Am 08. November 2014 schrieb Brigitte Mensah-Attoh:

Mir stockte fast der Atem, als ich Biermann in den gestrigen TV-Übertragungen solch unglaublichen Dreck habe sagen hören - ich hatte sowas niemals von ihm erwartet und entsprechend einen SOLCHEN Würgereiz angesichts des elendigen Statements eines - ich gebe es zu - früher von mir sehr geschätzten Liedermachers!

Lange Zeit - Jahrzehnte - war es still um ihn geworden. Werde nun das Gefühl nicht los, daß - 25 Jahre nach dem Mauerfall - für den selbstverliebten Biermann endlich die einmalige Chance gekommen zu sein schien für einen Wiederauftritt, für ein Remake:
Den ewig aufmüpfigen Heißsporn zu markieren, ganz ungeachtet der Mittel...
Mit dieser Methode hat er jedoch als einziges erreicht, von vielen maximal gehaßt in die Geschichte einzugehen, denn der elende Rest seiner "rebellischen Haltung" hat sich aber sowas von gründlich in der ADRESSE geirrt!
Ich habe begriffen, daß Biermann nichts begriffen hat!


Am 08. November 2014 schrieb Ulrich Fiege:

Für die literarische Verpackung dieser Brandstifter meinen Dank Herr Gellermann. Wo Eckhardt Herrnberger einen vernünftigen Kommentar zum Thema Biermann ausmachte, könnte ich hier vermuten - Zitat aus der TAZ:
"Es ist natürlich richtig, zum 25. Jahrestag des Mauerfalls die schlimmen Seiten der DDR noch einmal in Erinnerung zu rufen. Aber gleich Wolf Biermann?" unter: "Zentrum für politische Hässlichkeit"

Dabei Kommentierte vor über 12 Jahren der Freitag zum Thema "Biermann als Brandstifter" mMn, Biermann ist alles, auch Dieb: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/biermann-als-brandstifter.


Am 08. November 2014 schrieb Lutz Jahoda:

Dass ein überspannter Inszenierungsbogen zur Selbstentblößung führen kann, zeigte der Höhepunkt des Peinlichkeitstheaters "25 Jahre Mauerfall" im Bundestag.
Herzlichen Dank an Uli Gellermann, der bewundernswert schnell reagierte und ebensolchen Dank den zahlreichen Verfassern kluger Zuschriften, die sich ihren gesunden Blick in die Vergangenheit nicht haben verkleistern lassen und aufdeckend erhellende Klartextworte fanden.

Was bliebe mir da noch zu sagen? In meinem Zorn vielleicht noch dies:
Biermann, Biermann, du Selbstzerstörer deiner besten Texte! Alle verhängten Spiegel dieser Welt, werden die Schande nicht von deinem Namen nehmen können!


Am 08. November 2014 schrieb Pat Hall:

Wolf Biermann ein camoufliertes Stinktier ?
JA !
Das war dieses Großmaul schon immer auch wenn ich mich mit dieser Person nicht besonders beschäftigt habe,weil Uninteressant !
Als ich mir aber das Video auf Phoenix angesehen habe verschlug mir sein Auftritt fast die Sprache!
Wie ein streunender Hund der nicht wusste wo sein Platz ist verbreitete dieser Heckenschütze wie ein Kommunistenjäger seinen Unflat gegen LINKE ?
Die Sitzung sollte doch eigentlich eines Friedensgedenken sein aber doch nicht Krieg gegen Einzelne?
Hätte er nicht einmal die Frage stellen können wo denn die ganzen Stasispitzel untergekommen sind?
Hat er aber nicht und statt dessen seine Kameraden düpiert.
Mit seinem Hass auf alles was LINKS ist hat er wohl auch den Stephan Hilsberg als Freund ?
Sind wir also noch immer nicht wie Brüder & Schwester vereint ?


Am 08. November 2014 schrieb Jürgen Rennert:

EIN BRIEF AN DEN BUNDESTAGSPRÄSIDENTEN

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Lammert,

Wolf Biermanns gestriger Vortrag seiner "Kleinen Ermutigung" im Bundestag rief mir einen seiner vielen, mir einst unverzichtbaren liedhaften Ohrwümer ins Gedächtnis. Mein bewusstes Sein und Bleiben in der DDR sah sich nicht zuletzt durch Biermanns Lieder und seine politische Unerschrockenheit gestärkt und bekräftigt. Ich verdanke ihm manche Einsicht und einiges Verständnis für nur vermeintlich nicht zu verändernde politische Gegebenheiten.

Ich vermute, dass Ihre Entscheidung, Wolf Biermann um einen eröffenden Beitrag zur Bundestagssitzung am 7. November zu bitten, aus ähnlicher Wertschätzung seines Oeuvres herrührt. Umsomehr bedaure ich, dass Sie Wolf Biermann lediglich den Vortrag eines einzigen seiner Lieder gestatteten. Ich hatte gehofft, "Drei Kugeln auf Rudi Dutschke" oder das Lied vom "Enfant perdu" wiederzuhören, in dem sich die bemerkenswerten Zeilen finden:

"Der ausgeflippte Have / Hier war er ein dreister Sklave / dort macht er den linken Clown / Wer abhaut aus dem Osten / Der ist auf unsere Kosten / von sich selber abgehaun // Er ist hinüber - enfant perdu / Ach, kluge Kinder sterben früh / Von Ost nach West - ein deutscher Fall / Laß, Robert, laß sein / Nee, schenk mir kein´ein! / Abgang ist überall // Laß, laß in die Binsen gehen / Damit wir im Osten sehen / daß der, der abfällt, fällt! / Wir machen hier Sozialismus / Trotz Rotz und Stalinismus / und öffnen uns noch die Welt..."

Mit freundlichen Grüßen aus der Prignitz

Jürgen Rennert


Am 08. November 2014 schrieb Petra Wegener :

Neben der wunderbaren Polemik ist es vor allem die lange, historische Linie des Artikels, die mich beeindruckt. Das kann man nirgendwo lesen. Statt dessen nahezu überall ein schaler Beifall für Biermann, der wie eingeübt wirkt. Ich bin froh, dass es die Rationalgalerie gibt. Merci.


Am 08. November 2014 schrieb Jochen Scholz:

Lieber Herr Gellermann, Ihr wunderbarer Verriss dieses eitlen Mannes und der Gesamtveranstaltung wirft, unbeabsichtigt, auch ein erhellendes Licht auf - nicht nur hier - anzutreffende Kommentatoren und deren Wissensstand. Als weitere Quelle für die hinter dem Atombombeneinsatz in Hiroshima und Nagasaki stehenden strategischen Absichten darf ich auf "The Untold History of the United States" von Oliver Stone und Peter Kuznick verweisen. Das Buch ist gleichzeitig die Vorlage zu einer zehnteiligen Fernsehserie, die in "Showtime" lief:

http://www.amazon.de/gp/product/1451613512?*Version*=1&*entries*=0

Zu

Biermann ist bei medienanalyse-international zu lesen:

"Was so schön rebellisch klingt, ist in der Substanz das: Biermann düpiert den Parlamentschef wie auch die Abgeordneten (nicht nur der Linken!) wie auch die gesamte demokratische Verfasstheit Deutschlands.
Biermann benötigt keine demokratische Legitimation, Biermann rotzt los, wann und wie und wo es ihm gefällt.

Lammert hat ihn im Gegensatz zur DDR damals nicht rausgeworfen. Aber genau das wäre angebracht gewesen. Jeder andere würde doch von den Saaldienern am Schlafittchen gepackt und hätte dann noch eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs am Hals."

http://www.medienanalyse-international.de/index1.html


Am 08. November 2014 schrieb Wolfgang Ringel:

Wissen Sie was Jesus und die DDR gemeinsam haben? Beide werden jährlich ans Kreuz geschlagen (genagelt) Jesus am Karfreitag; die DDR am 03. Oktober.
Wer war der Judas ischariot der DDR?
Das zu dem Biermann als St. Georg. Es ist einer, der aus einem Paulus zum Saulus wurde ( ideologisch rückwärts gewendet). Dafür verantwortlich war ein Sonnenstich. So etwas ist möglich, die modere Medizin bestätigt dies.


Am 08. November 2014 schrieb Eckhardt Herrnberger:

Wieder ein gutes Wort zur rechten Zeit. Über Biermann muss man sich nicht wundern. Aber BTP Lammert: Gestern dreht er Sahra Wagenknecht wegen 20 oder 30 Sekunden das Mikrofon ab. Heute lässt er diese Pöbeleien zu. Oder hat Biermann wahr gesprochen? Hat Lammert genau das alles so mit B.
abgesprochen? In der TAZ war übrigens ein vernünftiger Kommentar zur Sache.


Am 08. November 2014 schrieb Hans A. Plast:

Ein gespenstisches Ereignis, dieses Mauer-Fall-Festival.

Weil weder die Hintergrund-Struktur der Strippenzieher des Zweiten (und Ersten) Weltkrieges, noch die der abenteuerlichen Serie anglo-amerikanischer Kriegsverbrechen, die mit Hiroshima und Nagasaki einen weder ersten noch letzten Höhepunkt erreichte, nicht durchschaut ist (was ich angesichts des intellektuellen Niveaus im Bundestag für wahrscheinlicher halte) oder erfolgreich verdrängt wurde.

Die gleichen Strippenzieher-Kreise zündeln jetzt am Dritten Weltkrieg, der auf seiner Stufe des Wirtschafts- und Währungskrieges bereits im Gange ist.

Was für ein trauriger neo-faschistischer Spuk im `neuzeitlichen´ Gewand des wildgewordenen / übergeschnappten Kapitalismus auf der Reise des Rückfalles in den Neo-Feudalismus.


Am 08. November 2014 schrieb Klaus-Jürgen Bruder:

Die Parteinahme gegen das Unrecht – aber warum bleibt sie auf halbem Weg stehen?

Die Unmenschlichkeit, die Lüge, das Verbrechen – sie waren auf beiden Seiten der Mauer sehr wohl beheimatet:
die Verbrecher belauerten sich gegenseitig, nur durch die Mauer getrennt.
Das Verbrechen bestand nicht erst im Bau der Mauer, sondern bereits im „Wiederaufbau“ des Kapitalismus im Westen, der den Aufbau des „Sozialismus“ im Osten mit allen Möglichkeiten der Sabotage, der Denunziation, der Lüge und Verbrechen seiner Möglichkeit, sich zu entfalten, seiner Hoffnungen und seiner Menschlichkeit beraubte.
Gerade heute sehen wir, mit welcher kaltblütigen Skrupellosigkeit er in allen Teilen der Welt, wo sich auch nur die kleinste Insubordination zu regen wagt, mit mörderischer Gewalt brandschatzend und Hundertausende von Menschen umbringend (neben denen mit Verlaub die Opfer der Mauer – leider muss man sagen – ihres Andenkens beraubt werden) bei seinem Versuch, sich Land und Leute unter den Nagel zu reißen nicht davor zurückschreckt, alles mit Stumpf und Stil auszurotten.

Wenn man die DDR, die SU kritisiert, und es gibt gerade von linker Seite eine Unmenge zu kritisieren, 1968 waren sie ja nicht gerade unsere „Verbündete“ oder Verteidiger, im Gegenteil.
Aber „Kritik“ (an der DDR usw) darf nicht zum Ersatz für Kritik am Kapitalismus werden, am „Unrechtsstaat“ um mal ein Schlagwort des Antikommunismus gegen diesen zu wenden. Kritik an der DDR von links ist etwas prinzipiell anderes als von rechts.
Um vom Unrechtsstaat zu reden, muss man sich gleichzeitig von denen abgrenzen, die ihr eigens Unrecht damit verstecken, vergessen machen wollen:
das tausendmal ungeheuerliche Unrecht der Ausbeutung, der Verkehrung aller menschlichen Verhältnisse (im Holocaust und seit Beginn des Kapitalismus – zuerst gegen die Völker der Welt (Inkas, Afrikaner, Inder, Japaner, Osmanen, Indianer usw, ein Genozid nach dem anderen; das rechtfertigt die brutale Niederschlagung der Aufstände in der SU in keiner Weise, es decouvriert aber die Verlogenheit der Angriffe gegen diese.
Wenn man von Unrechtstaat spricht, muss man in allererster Linie diejenigen anklagen, die das Unrecht zu verantworten haben, gegen das sich die SU und in ihrer Nachfolge aller anderen Befreiungsbewegungen bis Vietnam und darüber hinaus zur Wehr gesetzt haben oder versucht haben.
Wenn ihre Versuche, Frieden und Gewaltlosigkeit nach der Niederlage des Faschismus oder Kolonialismus zu setzen, liegt deren Scheitern nicht zuletzt an der Sabotageakten, Morden, Boykott- und Counterinsurgency Aktionen der ehemaligen und auch der jüngeren „Herren“, die ihre Niederlage nicht hinnehmen wollten.

Ich muss das nicht weiter ausmalen, aber stell Dir vor: die Menschen lebten friedlich nebeneinander, die Nachbarn würden den Versuch eine andere Form des Zusammenlebens aufzubauen, mit Wohlwollen unterstützend begleiten, niemand brauchte eine Mauer gegen seine Nachbarn aufzurichten. Ein Traum, lebensfremd dazu, ein Gottfried Kellerscher?


Am 07. November 2014 schrieb G. Pietrzak:

Super!


Am 07. November 2014 schrieb Rainer Westermann:

Womit können Sie denn ihre Behauptung belegen, die Bombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki seien nur gegen die Sowjetunion gerichtet gewesen und hätten die Zweiteilung der Welt begründet?

Antwort von U. Gellermann:

Ich empfehle z. B.
http://www.garalperovitz.com/atomic-bomb/
oder
http://www.amazon.de/Hiroshima-Die-Entscheidung-Abwurf-Bombe/dp/3930908212


Am 07. November 2014 schrieb Klaus-Jürgen Bruder:

Wie gut dass Du manches weißt von dem, was manche früher so gemacht haben.

Es ist einfach unappetitlich, wie sich manche benehmen, gerade von denen, von denen wir mal das Beste gehofft und gehalten haben.


Am 07. November 2014 schrieb Tex Grobi:

ich habe mir erlaubt, deinen sehr treffenden Sankt-Georg-Artikel über den selbstgefälligen Ex-Linken und jetzigen offiziellen Regierungsbänkelsänger in meinen heutigen Blogbeitrag "So viel Bigotterie war nie!" (http://misanthrope.blogger.de/stories/2448866/) als Link einzubauen.


Am 07. November 2014 schrieb Aleksander von Korty:

Die einstigen Dissidenten des Realsozialismus teilten und teilen - sofern sie noch vorhanden sind - alle das gleiche schwere Schicksal. Wenn sie es dann mal in den `Goldenen Westen´geschafft hatten, erlosch nach kurzer Zeit das Interesse der Öffentlichkeit an ihrem wilden Gebaren. Und auch die Presstituierten der Mainstream-Medien verloren bald das Interesse! Besonders hart empfunden hat diesen schweren Schlag des Schicksals da wohl dieser abgehalfterte, selbstverliebte, narzistische Barde. Und da ihm nichts Vernünftiges oder gar Kritisches in den vergangenen 38 Jahren zu seiner neuen Heimat der Bananen-Republik einfiel, verfiel er immer mal wieder darauf, sich mit längst abgelutschten Äußerungen über eine Verstorbene ins Gerede zu bringen.

Großmäulig, wie er schon immer war, musste seine Selbstüberschätzung also zwangsläufig bei der Selbstdarstellung zur Superlativen geraten. Da wurde dann in seinen psychopathologischen Wunschträumen aus dem herumpissenden Hundchen, der Drachen-Töter, der die Drachenbrut zur Strecke bringt. Dabei dürfte dieser verkappte unheilige St. Georg selbst seit Jahrzehnten nicht einmal mehr in der Lage gewesen sein, eine `Jungfrau´ (von ihrem Häutchen) zu befreien. 
So wenig war er nun in der Lage die vermeintliche `Drachenbrut´ zu vernichten. Und anders als der Recke Siegfried konnte er also auch nicht im Drachenblut baden. Nur ein Lindenblatt, das traf ihn auch, allerdings nicht auf dem Rücken, sondern auf seine beiden Augen, so dass er nun schon seit Jahrzehnten auf diesen mit Blindheit geschlagen ist, für die `harten Realitäten in dieser Zeit´ .So blieb ihm nun erneut nur übrig sich, wie ein Hundchen unflätig, rumpissend zu äußern. Was wiederum belegt, dass er zu demokratischen Spielregeln ein recht gebrochenes Verhältnis hat. Wen wundert dies bei einem alten zahnlosen Dissidenten, wenn der den Deutschen Bundestag mit einem Pissoir verwechselt. Nur der Chef des Hauses, der nebenamtliche Bundestagspräsident hätte gut daran getan ihn für sein ungebührliches Verhalten zu rügen. Schließlich verbreitet der Urin alter Männer einen fürchterlichen Gestank, der auch den Klo- und Putzfrauen des Bundestages nicht zuzumuten ist.
 


Am 07. November 2014 schrieb Monika Reidtmeyer:

Mir ging es ähnlich wie dem Leser Bräutigam. Nach einer widerlichen Inszenierung im Parlament, die schamlos auf die Geschichtsvergessenheit der Deutschen setzte, war mir Ihr Artikel eine Erholung. Bitte machen Sie weiter.

Antwort von U. Gellermann:

Mach ich.


Am 07. November 2014 schrieb Bert Schneller:

In der Oberschule, ostdeutsche Provinz, habe ich Mitte der 70er auf NDR II gehörte Texte von Biermann abgeschrieben und unter der Hand an Mitschüler verteilt: "Soldaten sind sich alle gleich - lebendig und als Leich" etwa. Das fand ich gut. Bei seinen Tränen auf der Bühne in Köln war ich gerührt. Rückblickend ist mir das Ganze peinlich. Hat sich der tapfere Wolf, der große Täuscher, doch bald als camoufliertes Stinktier erwiesen. Einfach ekelhaft.


Am 07. November 2014 schrieb Volker Bräutigam:

Lieber Uli, danke dir: Wunderbar. Nach einem Tag, an dem ich mich wegen dieses Arschlochs herumgeprügelt habe, ist die Lektüre deiner Seite Balsam.-


Am 07. November 2014 schrieb Hans-Werner Zielcke:

Sie wollen uns doch nicht ernsthaft weismachen, das Wolf Biermann bei Margot Honecker "ein und aus ging". Das ist doch pure Verleumdung!

Antwort von U. Gellermann:

Die Väter von Margot Honecker und Wolf Biermann waren, als Kommunisten, beide in der Nazi-Zeit im KZ. Die beiden wuchsen bei Biermanns Mutter auf. Der Vater von Margot Honecker holte Biermann in die DDR. Die beiden kannten sich so gut, dass Biermann Frau Honecker noch kurz vor seiner Reise in den Westen zum Kölner Konzert besuchte.


Am 07. November 2014 schrieb Dr. Gerd Zimmer:

Gerade wurde im Deutschlandfunk gefragt, ob dies wohl eine Sternstunde des Bundestags gewesen sei. Eine Sternstunde, wenn jemand gewählte Abgeordnete an dieser Stelle als elenden Rest bezeichnen darf, damit auch alle, die diese Abgeordneten gewählt haben? Bei weitem ja auch junge Menschen, die nie in der DDR gelebt haben und die Freiheit mit der Frage nach sozialer Gerechtigkeit verbinden. Sind sie alle der elende Rest? Wovon? Welch ein Hochmut und welcher Hass sind in diesem Menschen - welche beschränkte Perspektive, die der schlimmer Dogmatiker und Engstirniger in der DDR nicht nachsteht. Sternstunde oder eher Schande?

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