Als Günter Grass mal das Volk war

Wie August Bebel zu Wahlkampfzwecken missbraucht wird

Autor: U. Gellermann
Datum: 14. August 2013

Woran erkennt man, dass bald Wahlen sind? Günter Grass äußert sich zu seiner SPD. Pünktlich vor Wahlen schaltet der sonst so kritische Denker sein Gehirn ab, schlägt die Hacken zusammen und meldet sich zum Wahlkampf für die SPD zur Stelle. Diesmal mit einem Interview in der SÜDDEUTSCHEN zu August Bebel, das demnächst in einem Buch zu dessen 100. Todestag erscheinen wird. Wer in diesen Tagen über den Sihlfeld-Friedhof in Zürich geht, der kann dort ein kräftiges Brummen hören. Und je näher er dem Grab von August Bebel kommt, desto lauter wird das Geräusch. Der Alte rotiert vor lauter Wut. Denn der Mann, der gegen den Krieg auftrat, der sich energisch für die sozialen und politischen Interessen der Arbeiter einsetzte und dafür lange Gefängnisjahre kassierte, wird von Grass zum Kronzeugen der Afghanistan- und Hartz IV-SPD gemacht. Das hat der große Gründer einer SPD, die es so nicht mehr gibt, nicht verdient.

Das Interview mit Grass führte der Journalist Manfred Bissinger. Von dem stammt der Satz "Realistisch bleiben: Deutschland braucht weiter Kernenergie und Kohle". Zitiert aus einem "Energiepolitischen Apell", der im August 2010 als ganzseitige Anzeige in deutschen Tageszeitungen den Ausstieg aus der Atom-Energie rückgängig machen wollte. Neben dem Unterzeichner Bissinger fand sich die Creme der deutschen Wirtschaft unter einem Aufruf, der zurück nach Tschernobyl wies. Unter ihnen auch der Chef des "Bundesverband der Deutschen Industrie" Ulrich Grillo. Bissinger und Grillo hatten schon mal ein gemeinsames Papier unterschrieben, unter dem sich auch der Name von Günter Grass fand. Darüber stand die zynische Überschrift "Auch wir sind das Volk". Gemeinsam mit anderen "Volksvertretern" aus der deutschen Wirtschaft wurden in diesem Aufruf jene Menschen beleidigt, die sich in Montagsdemonstrationen gegen die Folgen von Hartz VI wandten: "Nur Demagogen, die ihre Zukunft hinter sich haben, reden dem Volk nach dem Maul." Wären die Herren Unterzeichner ehrlich gewesen, sie hätten weiter schreiben müssen: "Wir treten dem Volk lieber in den Arsch." Aber der Satz "Wir haben das Jammern über Deutschland satt" war angesichts der vielen Millionäre, die das Papier unterschrieben hatten, widerlich genug.

Aber es geht immer noch blöder. Bissinger gibt mit der Interview-Anmerkung "Heute ist Allgemeingut, dass es Schröders Arbeitsmarkt-Gesetze waren, die Deutschland gut durch die europäische Finanz- und Wirtschaftskrise haben kommen lassen" die Steilvorlage. Und Grass hält den Fuß hin: "Dass er (Kanzler Schröder) mit der Agenda eine überfällige Weichenstellung vollzogen hat, will ich nicht bestreiten". So ein Eigentor, so wunderschön wie heute. Sieben Millionen Menschen, die inzwischen Hartz IV beziehen, eine Steuerreform zur extremen Entlastung der Reichen, die betrügerische Riester-Rente mit dem Knüppel der Verlängerung der Lebensarbeitszeit durchgesetzt, die Privatisierung öffentlichen Eigentums durchgepeitscht: Alles überfällig? Neben Grass und Bissinger finden sich außerhalb von CDU und FDP nur noch Millionäre, die solchem asozialen Unsinn Beifall spenden. Dazu Bebel: "Lobt dich der Gegner, dann ist das bedenklich; schimpft er, dann bist du in der Regel auf dem richtigen Weg."

Weil aber die soziale Blödheit (Grass) und die opportunistische Anschleimerei an die Herrschenden (Bissinger) nur schwer zum SPD-Wahlerfolg beitragen kann, bleibt die Diffamierung von Oskar Lafontaine im Grass-Interview nicht aus: "Es gab in der Geschichte der sozialdemokratischen Partei keinen schmierigeren Verrat, wie den von Oskar Lafontaine", geifert Grass über dessen Rücktritt 1999. Da wollte einer nicht mehr die militärische Außenpolitik der Rot-Grünen mittragen, das Bombardement Jugoslawien nicht rechtfertigen müssen. Da konnte ein soziales Gewissen die Hinwendung der SPD-Spitze zum Neoliberalismus - im Schröder-Blair-Papier eindeutig formuliert - nicht ertragen. Da wollte einer den Verrat an allem was August Bebel gelebt hatte nicht verantworten. Und Grass ruft nicht der Schröder-Clique, die bis heute die Sozialdemokratie beherrscht, das Wort Verrat hinterher, sondern jenem, der sich selbst und der sozialen Idee der SPD treu blieb. Das ist intellektuell unwürdig, Günter Grass. Das ist moralisch untragbar, Günter Grass. Und das ist politisch zutiefst dämlich. Denn der Steinbrück-SPD, geführt von einem Banken-Retter, assistiert von zwei Afghanistankriegs-Zustimmern, gelingt es an keiner Stelle, die verschwundenen SPD-Wähler hinter jenem Ofen hervorzulocken, hinter den sie die Schröder-Politik gejagt hat. Nicht die personelle und inhaltliche Kontinuität gibt der SPD eine Zukunft. Sondern nur die radikale Abkehr von Schröder gäbe der Partei eine gewisse Chance.

"Ich will der Todfeind dieser bürgerlichen Gesellschaft und Staatsordnung bleiben, um sie in ihren Existenzbedingungen zu untergraben, und sie, wenn ich kann, beseitigen", hatte August Bebel 1903 auf dem Dresdner Parteitag den Revisionisten zugerufen. Jener Truppe um Eduard Bernstein, die für weniger Marx und mehr "Reform" plädierte. Mitten in einer Krise der Finanz-Oligarchie, einer Krise, in der sogar bürgerliche Kräfte den Marxismus für aktuell halten, reiht sich Grass bei den "Reform"-Kräften ein: "Ich bin ein eingefleischter Revisionist" ruft er aus und lobt den Mut Schröders und dessen Reformen. Solche sollten über Bebel schweigen und für ihren Missbrauch einer historischen Figur mit dem Hören von Steinbrück-Vorträgen bei Großkonzernen nicht unter drei Monaten bestraft werden.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 20. August 2013 schrieb Thomas Nippe:

Es deprimiert, so etwas zu lesen. Nicht Deinen Artikel, gut wie immer. Sondern das, über das Du schreibst. Menschenskind, was ist bloß mit Grass los? Das ist nicht der erste "Ausrutscher". Verkalkt und vertrottelt? Wäre entschuldbar. Aber ich fürchte, daß ist es genau nicht. Man merkt die Absicht und ist verstimmt.
Danke für Deine Aufklärungsarbeit. Sie ist heute wichtiger denn je!


Am 19. August 2013 schrieb Heinrich Triebstein:

Günter Grass ist ein kreativer Typ. Von ihm stammt auch das Wort von der notwendigen Systemüberwindung, zu dem ihn der Bankenkrach von 2008 hat greifen lassen. Damit ist er sehr dicht an dem Wort von August Bebel, das Sie an das Ende Ihres Beitrags gestellt haben.

Was ich dem großen alten Mann und der großen alten Tante SPD, der ich seit dem 11.11.1966 angehöre, zum Vorwurf mache: Beiden fehlt es an dem, was heutzutage Empathie genannt wird. Sie können sich nicht vorstellen, was mit der Agenda 2010 angerichtet worden ist. Ein damaliger Mittäter hat darauf reagiert. In einem öffentlichen Vortrag im November 2011 war von Hans Eichel zu hören, es müsste die Finanzierung der öffentlichen Aufgaben den privaten Banken entzogen und europaweit einem System von Genossenschaftsbanken und Sparkassen übertragen werden. Deren Erträge kämen der öffentlichen Hand zugute.

Am vorvorigen Sonntag hatte ich Gelegenheit, Hans Eichel zu sprechen. Das mit den Sparkassen und G-banken sei ein Missverständnis gewesen. Inzwischen denke er, die EZB müsse die Möglichkeit der Staatenfinanzierung erhalten. Was sie jetzt mache sei, den Banken billig Geld zur Verfügung zun stellen, das die dann teuer weiterverleihen. Das könne ja wohl auch nicht sinnvoll sein.

Auch mit diesem Punkt geht er weiter als alle zur Wahl stehenden Kandidat(inn)en. Nur, es findet keine Wahlauseinandersetzung statt!

Inzwischen setze ich meine Hoffnung darauf, dass bei dem kleinen Parteitag am 24.9., zu dem Sigmar Gabriel eingeladen hat, das Modell NRW abgesegnet werden soll. Wo es schon zwei sozialdemokratische Parteien gibt, sollen sie verdammt noch mal auch gemeinsam Politik machen. Steinbrück ist fein raus. Er hat ganz früh gesagt, dass er keine große Koalition will. Mit ihm ist auch die Zusammenarbeit mit der Linken nicht zu machen, sagt er. Er gibt demnach einen ehrenhaften und verdienstvollen Ruheständler ab. Und die Partei wird nachholen, was sie in vier Jahren Steinmeierscher Anschmiegsamkeit versäumt hat: Ihr eigenes Profil schärfen und anfangen, für demokratiekonforme Märkte zu sorgen.

Antwort von U. Gellermann:

Günter Grass habe ich zitiert, seine positive Haltung zur Agenda hat er bis heute leider nicht revidiert.

Eichel geht weiter als die SPD-Kandidaten, so weit wie die von der Linkspartei geht er nicht.

Ihre Hoffnungen auf den kleinen Parteitag teile ich nicht: Was auf Parteitagen gesagt wird ist wohlfeil. Mein sozialdemokratischer Ruhrgebiets- Großvater sagte immer: "Guck se nich aufn Mund, guck se auf die Hände". Die Mannschaft um Steinbrück besteh nur aus Agenda-Anhängern, er selbst wird im Zweifelsfall "Aus Verantwortung gegenüber dem Wähler" in eine große Koalition gehen. Doch wünsche ich, die SPD würde in Ihrem Sinne zur Vernunft kommen.


Am 15. August 2013 schrieb Franz Witsch:

Lieber Uli Gellermann,

nur ein paar kleine Einwände auf Ihre Entgegnung. Ich habe Rosa und Karl nicht in einen Topf mit Stalin geworfen. Das geht auch gar nicht, denn beide sind 1919 ermordet worden, so dass man sie für die weitere Entwicklung nicht verantwortlich machen kann. Das tue ich auch nicht in Bezug auf Bebel. Der ist vollkommen unschuldig im Hinblick auf die weitere Entwicklung von SPD und KPD. Es geht mir auch gar nicht um Personen, sondern ich kritisiere Strukturen, die SPD, nicht einzelne Personen. Orientierungslos zu sein, spricht nicht gegen eine Person - ihre Menschlichkeit; es kommt aber darauf an, in welchem sozialen Kontext eine Person denkt, schreibt und politisch agiert. In einem orientierungslosen sozialem Umfeld, wie der SPD, kann man nicht anders denken und agieren als orientierungslos, zumal wenn man zu diesem Umfeld keine zureichende Distanz aufbringen kann, etwa weil man ihr Vorsitzender ist.

Will sagen: zureichende Kritik setzt Distanz zu dem voraus, was man kritisiert; daher der Zusatz "verzweifelt", der andeuten soll, dass Bebel möglicherweise geahnt hat, dass sein Kampf gegen den Revisionismus sehr wahrscheinlich vergeblich sein würde. Die national-patriotische Zustimmung der SPD zu den Kriegskrediten hatte er ja nicht mehr erleben müssen, aber sicher gewusst, dass National-Patriotismus in der SPD weit verbreitet war.

Ich glaube ferner, dass Sie mit dem Wort "substanzlos" etwas zu dick auftragen: Wir haben uns über die Kunst von Grass gar nicht unterhalten, und sie war auch nicht Gegenstand meines Leserbriefes. In diesem habe ich vom Verhältnis unseres Ex-Kanzlers zur Kunst gesprochen und von einer Kunst (Grass), die die Nähe zur politischen Macht suchte auf schmierige Art und Weise - wie von Grass und nicht nur von Grass betrieben. Das sagt noch nicht viel aus über die Qualität der Bücher von Grass. Die reichen bis in die 1950er Jahre zurück.

Schließlich ein Wort zu meinem Buch: wenn man ein Buch kritisiert und ich bin dankbar, dass Sie sich freimütig äußern (immerhin machen Sie aus Ihrem Herzen keine Mördergrube), dann sollten diese Äußerungen, wenn sie denn öffentlich (auf Ihrer Seite) erfolgen, von Kenntnissen über das Buch getrübt sein. Schließlich wollen sie sich doch nicht "nur" an mir abreagieren, sondern zur "Sache" etwas sagen. Sie mögen den kleinen Ausschnitt zu recht zu kritisieren, doch sagt ein kleiner Ausschnitt über das Buch noch nichts aus. Und mein kleiner Leserbrief rechtfertigt m.E. nicht das Wort "substanzlos".

Das meine ich ganz sachlich in der Hoffnung, dass wir verbunden bleiben, auch wenn mich Ihre Reaktion, zugegeben, etwas betrübt.

Antwort von U. Gellermann:

Lieber Franz Witsch,

tatsächlich war, bin ich ein wenig verstimmt, dass Sie an meinen Artikel zum Grass-Interview, auf den Sie in Wahrheit nicht eingehen, einen Marketing-Text für Ihr Buch ankleben. Deshalb fiel meine Reaktion etwas harsch aus.

Zur Text-Exegese:

Sie schreiben : "Die SPD war, lieber Uli, immer schon ein orientierungsloser Haufen, schon vor dem ersten Weltkrieg, mit oder ohne Bebel. Der war, nicht weniger orientierungslos . . ."

Wie kann einer, der unter widrigen Umständen erfolgreich eine oppositionelle Massenpartei aufbaute "orientierungslos" sein? Das attestieren Sie in diesem Satz dem Bebel faktisch zweimal und es ist, wie Sie selbst wissen, schlicht Quatsch.

Sie setzen dann fort: ". . . nur ein einsamer verzweifelter Rufer in einem Meer von karrieregeilen und machtgierigen Dummköpfen. In diesem Meer hat sich keine Alternative zum herrschenden Kapitalismus entwickeln können. Das sieht man ganz deutlich nach dem ersten Weltkrieg, als sich die KPD als vermeintliche Alternative zur revisionistischen SPD herausschälte. Sie sah in der UDSSR mit Lenin und schließlich Stalin tatsächlich eine sozialverträgliche Alternative zum Kapitalismus."

Das "Meer" der SPD bildete zu jener Zeit die vielen, einfachen SPD-Genossen. Denen Machtgier zu unterstellen ist schlicht albern.

Die wesentlichen Gründer der KPD waren Luxemburg (die eine Grundsatz-Kontroverse mit Lenin nur deshalb nicht mehr austragen konnte, weil sie ermordet wurde) und Liebknecht, also nehmen Sie die Frau im zitierten Satz mit in Haft für "schließlich" Stalin. Das ist zumindest leichtfertig. Mal abgesehen davon, dass Sie mit einem langen, wissenden Abstand auf die Entwicklung der UdSSR blicken. Ernsthafte Wertungen der Haltung Einzelner zur jungen UdSSR aber aus der Zeit erfolgen müssten.

Schließlich kommen Sie im Grass-Zusammenhang, zum Schluss: "Dabei spielt die Kunst tatsächlich eine nicht unerhebliche Rolle zur Beruhigung des schlechten Gewissens."

Ich bin der letzte, der dem Günter Grass in seiner Nibelungentreue zur SPD folgen wollte. Aber den Autor der Blechtrommel, des ersten westdeutschen Werks, das sich mit den Nazi-Verbrechen auseinandersetzte, der den Westdeutschen ein schlechtes Gewissen bis zum Nestbeschmutzungs-Vorwurf verschaffte, mit solch einem Satz abzutun, das ist ärgerlich.

Nix für ungut.


Am 15. August 2013 schrieb Franz Witsch:

Die SPD war, lieber Uli, immer schon ein orientierungsloser Haufen, schon vor dem ersten Weltkrieg, mit oder ohne Bebel. Der war, nicht weniger orienteirungslos, nur ein einsamer verzweifelter Rufer in einem Meer von karrieregeilen und machtgierigen Dummköpfen. In diesem Meer hat sich keine Alternative zum herrschenden Kapitalismus entwickeln können. Das sieht man ganz deutlich nach dem ersten Weltkrieg, als sich die KPD als vermeintliche Alternative zur revisionistischen SPD herausschälte. Sie sah in der UDSSR mit Lenin und schließlich Stalin tatsächliche eine sozialverträgliche Alternative zum Kapitalismus. Im Prinzip tut das "Die Linke" (wenn auch mit Abstrichen) in der Tradition von SED, PDS bis heute. Dabei spielt die Kunst tatsächliche eine nicht unerhebliche Rolle zur Beruhigung des schlechten Gewissens. In "Die Politisierung des Bürgers, 1. Teil: Zum Begriff der Teilhabe" gibt es ein paar Zeilen, die ein Licht werfen auf das Verhältnis von Politik (Schröder) und Kunst (Grass):

"(....) nun, Künstler dürfen, ja müssen ein wenig verrückt sein. Natürlich, zu dämlich dürfen sie nicht sein, damit der Kunstinteressierte, einer wie Ex-Kanzler Schröder, guten Gewissens an ihrer Seite glänzen kann. Um sich vom politischen Rationalisierungsstress zu erholen, ergeht er sich zusammen mit seinen Kunstfreunden in imaginativen, also nicht ernst gemeinten, praktisch bedeutungslosen Phantasien. Und wenn der Künstler brav ist und sich nicht einmischt in den politischen Diskurs (wo unentwegt alles, was nicht niet- und nagelfest ist, durchrationalisiert erscheint), wird er zur Belohnung auf einen Sockel gehoben, von wo er sich aus gehöriger Entfernung goutieren und huldigen lassen darf, aber nur, wenn er nicht herunterklettert. Und wenn er es nicht lassen kann, auch mal mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen, soll er wenigstens die Schnauze halten, bzw. nach dem Vorbild von Günter Grass das Unvermeidliche aufsagen und sich nicht in Sachen einmischen, von denen er nichts versteht. Bewusst dumm gehalten, andernfalls keine Streicheleinheiten aus dem Kanzleramt winken, haben die meisten Künstler unseres Ex-Kanzlers tatsächlich von nichts eine Ahnung, als sei das mit der Liebe zur Kunst ganz und gar unvereinbar."

Antwort von U. Gellermann:

Bebel starb 1913 als Marxist, als Linker in seiner Partei. Ihn, der für seine Überzeugung ins Gefängnis ging, als orientierungslos zu bezeichnen ist dumm und ahistorisch. Niemand sonst in Deutschland hatte in jener Zeit klarere antimilitaristische Positionen, niemand führte so konsequent den illegalen Kampf als eben Bebel. Die Überlegung, seine inhaltlichen Nachfolger und KPD-Gründer, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, in den Stalin-Topf zu werfen, könnte wunderbar von CDU oder FDP stammen. Das alles nur, um für ein Buch Werbung zu machen, das, wie man im zweiten Absatz liest, über die Grassche Kunst nichts anderes zu sagen weiß, als dass ihr Ruf Schröder dienlich gewesen war, weist auf mangelnde intellektuelle Substanz der Schrift hin.


Am 14. August 2013 schrieb Cornelia Staudacher:

Wieder so ein Artikel, für den Du äusserstes Lob, wenn mir das zukommt, verdienst.
Als ich heute morgen zum Frühstück die SZ (von gestern) las und darin das Gespräch mit Grass, wurde mir zwar plümerant und ich merkte, hier stimmt etliches nicht. Aber erst dein schlüssiger und wie immer kenntnisreicher Artikel hat mir die richtigen Argumente dafür in die Hand resp. ins Hirn gegeben. Vielen Dank dafür.


Am 14. August 2013 schrieb Ebehard Gerstner:

Der Lafontaine ist doch unerträglich eitel, es war mal an der Zeit dem eine reinzuwürgen.

Antwort von U. Gellermann:

Eitel sind wir alle. Und das "Reinwürgen" besorgt bei Herrn Lafontaine bereits seine Partei.


Am 14. August 2013 schrieb Verena Bruchmüller:

Erts verteidigen Sie Günter Grass heftig gegen den Vorwurf des Antisemitismus, dann greifen Sie Ihn heftig ab. Woher der Sinneswandel?

Antwort von U. Gellermann:

Mein Sinn wandelt auf dem Pfad der Gerechtigkeit.


Am 14. August 2013 schrieb Heidi Schmid:

Klasse was Du da schreibst über Grass/SPD und Co...über die CDU/CSU liest man allenthalben schon Schlimmes - jetzt würde ich gerne mal was richtig Gutes über Die Linke lesen... ;-) ... gibt es eine Chance ?

Antwort von U. Gellermann:

Wenn ich wüsste mit welcher LINKEN ich es gerade zu tun hätte . . . gern.


Am 14. August 2013 schrieb Armin Gröpler:

FELDFRÜCHTE

Sinnend geh ich durch den Garten,
still gedeiht er hinterm Haus;
Suppenkräuter, hundert Arten,
Bauernblumen, bunter Strauß.
Petersilie und Tomaten,
eine Bohnengalerie,
ganz besonders ist geraten
der beliebte Sellerie.

Ja, und hier ?? Ein kleines Wieschen?
Da wächst in der Erde leis
das bescheidene Radieschen:
außen, rot und innen weiß.

Sinnend geh ich durch den Garten
unsrer deutschen Politik;
Suppenkohl in allen Arten
im Kompost der Republik.
Bonzen, Brillen, Gehberockte,
Parlamentsroutinendreh ...
Ja, und hier ?? Die ganz verbockte
liebe gute SPD.
Hermann Müller, Hilferlieschen
blühn so harmlos, doof und leis
wie bescheidene Radieschen:
außen rot und innen weiß.


Theobald Tiger
Die Weltbühne, 21.09.1926, Nr. 38, S. 470,


Am 14. August 2013 schrieb Hartmut Barth-Engelbart:

Darf ich das Grass-Interview Bissingers zu Bebel gerade so auch auf meiner Seite www.barth-engelbart.de veröffentlichen ?


Am 14. August 2013 schrieb Werner Hammesfahr:

Wann soll sich denn Oskar Lafontaine zum Jugoslawienkrieg geäußert haben?

Antwort von U. Gellermann:

Am 1. Mai 1999 trat Lafontaine öffentlich auf Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit scharfer Kritik an der am 24. März begonnenen Bombardierung Serbiens durch die NATO hervor. (Wikipedia)

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