HELMUT KOHL

Die Rache Gottes

Autor: U. Gellermann
Datum: 18. Juni 2017

Wenn es denn einen Gott gibt, dann hat der offenkundig ein langes, gründliches und rächendes Gedächtnis. Dieses Erinnerungsvermögen geht den deutschen Medien völlig ab. Zum Tod von Helmut Kohl fällt denen nur süßliches Gequatsche ein: Der Kanzler der Einheit soll er sein, ein großer Europäer sei er gewesen, gar ein Glücksfall für die Deutschen. Annehmend, dass es keinen Gott gibt, wird Kohl eher als ein Unfall notiert werden müssen. Aber in der Rechnung der Geschichte, auf deren Konto Millionen toter Russen, Juden, Völker aller Art stehen, wäre er als Rache an den deutschen Verursachern dieser Opfer durchaus geeignet.

Als in Russland ein Mann an die Spitze der kommunistischen Partei geriet, der den intellektuellen und ökonomischen Verfall der Sowjetunion aufhalten wollte, zeigten sich auch die personellen Mittel der Kommunisten am Ende. Mit Michael Gorbatschow fand sich ein freundlicher Herr ein, der seine Aufgabe als Konkursverwalter im Wesentlichen in der Preisgabe der internationalen Machtpositionen der Sowjetunion begriff. Parallel glaubten die Bewohner der DDR für einen ziemlich kurzen Moment, dass Reisefreiheit der wichtigste Teil der Freiheit sei und Reisen mit einer westlichen Währung kostenfrei wären. Dieser Irrtum befreite viele Menschen in der DDR von Arbeit und kostete sie ihr Volksvermögen. Diese Sorte von Einheit erklärte Helmut Kohl als von ihm persönlich hergestellt und sammelte die Krümel ein, die vom großen sowjetischen Kuchen unter den Tisch fielen.

Auch in West-Europa galt die Bewegungsfreiheit als schönste Eigenschaft der Selbstbestimmung. Von A nach B zu reisen ohne den Ausweis zeigen zu müssen, war immer das populärste Argument für die Europäische Union. Kohl hatte auch hier die Gunst der Stunde begriffen, als er auch noch den lästigen Umtausch der D-Mark in fremde Währungen abschaffen ließ. Wer Helmut Kohl, den Kanzler des Euro, als Befreier von ausländischem Kleingeld feiern wollte, der hätte Grund genug: Vorbei die Zeit, als nach den Reisen noch Lira, Gulden oder Francs die Taschen ausbeulten. So wie das Kleingeld schwand, schwand auch die Souveränität europäischer Nationen. Nicht mal in Deutschland, dem Gewinner-Land der westeuropäischen Vereinigung, weiß man noch, wo gerade welche Gesetze gegen wen beschlossen werden. Zumeist ist der wichtige Vorgang gerade nach Brüssel unterwegs. Der metaphorische Ort Brüssel wurde bereits im sicher berühmtesten deutschen Roman, der Feuerzangenbowle, exakt definiert: „Da stellen wir uns mal ganz dumm, Brüssel ist ein großer schwarzer Raum mit zwei Löchern. Durch das eine kommt das Steuergeld rein, und das andere kriegen wir später“.

Im Feuerschein der von sozialdemokratischen Kanzlern verantworteten Bundeswehr-Einsätzen im Ausland, erglänzt das Denkmal des Herrn Kohl als Friedens-Kanzler. Zu gern wird unterschlagen, dass es die letzte Regierung Kohl war, die gegen die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens für eine Zerschlagung Jugoslawiens plädierte und mit einer vorschnellen Anerkennung Kroatiens und Sloweniens den nationalistischen Brandsatz in das kokelnde jugoslawische Haus warf. Dieser deutsche Akt der Zerteilung des jugoslawischen Fells bei lebendigem Leib eines Vielvölkerstaates mündete folgerichtig im NATO-Krieg gegen Jugoslawien und dem ersten Bundeswehreinsatz im Ausland nach dem letzten Welt-Krieg.

Unter den vielen Verdienstkränzen, die sich in diesen Tagen auf dem Grab Helmut Kohls türmen, fehlt die Anerkennung seiner Verdienste um die Abschaffung des Ehrenwortes. Denn im Ergebnis der CDU-Spendenaffäre, als in den schwarzen Kassen der CDU zwei Millionen Mark verschwunden waren, die ziemlich eindeutig die Lieferung von Fuchs-Spürpanzern nach Saudi-Arabien schmieren sollten, gab Kohl dem deutschen Volk und wer es sonst noch wissen wollte sein Ehrenwort: Er wisse nicht wer denn die Spender dieser Millionen gewesen seien. Dass in den Nachrufen auf den früheren Kanzler diese Groß-Betrügerei als Marginalie erscheint, wirft ein grelles Licht auf die deutschen Medien: Immer gern bereit, Korruption und ihre Hintermänner in Deutschland zu verschweigen, aber gern und ausführlich über Fake-News in Nachbars Garten zu reden.

Unter den vielen schweren Verfehlungen gegen die Deutschen will keiner der Nachrufenden die schwerste nennen: Helmut Kohl hat uns Angela Merkel beschert, die Fortsetzung des schwarzen Riesen mit anderen Mitteln aber ähnlichen Methoden: Wo Kohl den pfälzischen Biedermann spielte, da führte Merkel die sparsame Hausfrau auf, wo Kohl mit seinen „blühenden Landschaften“ dem Potemkinschen Dorf zur Wiederauferstehung verhalf, da gelang es Angela Merkel mit diesem Satz „Ich freue mich, dass es gelungen ist, Osama bin Laden zu töten“ dem US-Western der 50er Jahre zu einem Comeback auf der Menschenrechts-Rampe zu verhelfen. Doch während Helmut Kohl wohl endgültig von der politischen Bühnen abgetreten ist, wird Angela Merkel leider weiter auf dem Berliner Spielplan stehen: Kein barmherziger Vorhang ist in Sicht.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 02. Juli 2017 schrieb Ulrike Spurgat:

Die Trauerfeier im Dom zu Speyer für Helmut Kohl war bevölkert mit dem vom Neoliberalismus vertretenen bekannten ausdrucksleeren Gesichtern der "Üblichen Verdächtigen."
Sehr katholisch, sehr pompös, und die Lobhudeleien wollten kein Ende nehmen. Katholisch eben: Die habens drauf, mit Trara, mit Glitzer und Farben, und den vielen Messdienern...........
Wahrscheinlich wird er irgendwann heilig gesprochen werden. -- Was dann allerdings dem Fass den Boden rausgehauen hat war der Text, den viele kennen, allerdings irgendwie verändert worden: Alles hat seine Zeit.....
Wohl wahr.
"Es gibt eine Zeit der Kriege/des Krieges ?. Ob Krieg oder des Krieges, da bin ich nicht sicher, und es gibt eine Zeit des Friedens."
Krieg als Normalität zu erwähnen, in der katholischen Kirche, während einer Trauerfeier halte ich für einen Skandal. Europas Gründung, angeblich als Folge und Konsequenz der vorangegangenen Weltkriege, und den Krieg, in all seiner Brutalität, seinem Willen zur Vernichtung jeglichen Lebens hat in keiner Rede, ohne klare Haltung. egal wo, kein Berechtigung; und während einer Trauerfeier, die die Endlichkeit des Lebens deutlich macht, sollte denen auf den Weg mitgegeben werden: Bedenke das Ende, und werdet klug."


Am 26. Juni 2017 schrieb Peter Meiser:

Wer mehr über H. Kohl und seinen Werdegang erfahren möchte, dem sei das Buch von Bernd Engelmann, welcher VS- Vorsitzender und Pen Präsidiumsmitglied war:Schwarzbuch Helmut Kohl, empfohlen.

Als ich vom Tode Kohls erfuhr fiel mir spontan, der Skandal, die die Handreichung von H.K. " und Mitterand über Soldatengräber in Bitburg, in welchen auch Angehörige der Waffen- SS liegen, ein. Weiterhin, dass eine" Birne" Vorsitzender einer "geflickten" Partei war, von der Justiz bevorzugt behandelt wurde und sie dadurch einer Beugehaft entging.

Vergessen werde ich nicht , dass mir am Todestag.von H.K.als Leichenschmaus eine rohe Zwiebel, damit ich wenigsten eine Träne zeige, vorgesetzt wurde, was wirkungslos blieb ( Letzter Satz ist Satire)


Am 23. Juni 2017 schrieb Petra Werner:

@ Gellermann
Wer in diesen Tagen die vermehrte "Verteidigungs"-Anstrengungen der EU beobachtet. der weiß wie sehr Lenin Recht hatte: Es geht um Hochrüstung zur Sicherung der alten kolonialen Beute im arabisch-afrikanischen Raum und um neue Territorien im im postsowjetischen Bereich.


Am 23. Juni 2017 schrieb Altes Fachbuch:

verständnisfrage ohne bösen hintergedanken:
wieso "wäre er (kohl) als Rache an den deutschen Verursachern dieser Opfer (des wkII) durchaus geeignet"???
hat er den verursachern jemals was getan, oder ist der gegenbeweis (kontinuität als erfüllungsgehilfe des systems) schon erbracht?

europa, europa - über alles, schallt es von aller orten her. zumal die sich wieder wo zusammenrotten, um sich die wunden zu lecken. der pimpf macron als inkarnation der frz. revolution soll die zerstrittenen einigen, und natürlich ist der hauptmotor ausschließlich die gemeinsame "sicherheit". brexit als des wählers entscheidung? man lächelt schon:)
parallel dazu und klammheimlich verdeckt von dem trauerakt und dem Fußballspiel und versteckt im üblichen gesülze und unter ausschluss einer öffentlichen debatte, wird im bundestag die "Quellen-Telekommunikationsüberwachung" durchgewunken!!! https://www.jungewelt.de/artikel/312857.der-hacker-vom-bund.html
die geheimdienstliche nutzung der mautdaten kommt noch dazu, zufällig werden auch noch die autobahnen privatisisert.....
und... und...
sanktionen ja, aber nicht bei north streamII, wo germany ja als dealer das gas weiter verwerten wird....
middelhoff eingestellt, cum-ex heiligenschein für die politik.......
das wäre unter kohl nicht anders gelaufen.

von wegen bis hamburg warten, von wegen einen "diktatorischen, überwachenden Käfig" in der ddr!!

und auch merkel steht nur für das aktuelle gesicht der kontinuität des erfüllungsgehilfen des systems!!

eine rache sehe ich nicht, nur eine fortsetzung.
wer sich das Brimborium um das einbuddeln eines leichnams ansieht, wird sich fragen, in welcher welt er lebt. und orban als redner hätte es auf den punkt gebracht: https://www.youtube.com/watch?v=fSFD-QAJM1k

Antwort von U. Gellermann:

Die „Rache Gottes“ ist eine ironische Denkfigur.

"Vereinigte Staaten von Europa sind unter kapitalistischen Verhältnissen gleichbedeutend mit Übereinkommen über die Teilung der Kolonien."
Lenin, Sozial-Demokrat" Nr. 44, 23. August 1915


Am 21. Juni 2017 schrieb Pat Hall:

UPPS ? altes Fachbuch, zur Mittsommernacht schrieben Sie einen solchen bösen Kommentar ?
Längst ist die Geschichte seit WK 2 bekannt und Adenauer seine Griffel im atlantischen Bündis hatte.
Die Machthaber über Deutschland sind immer noch bis Heute die Amerikaner.
Kohl oder diese Regierung hat den Passus die Souveränität Deutschlands nicht in" betracht" gezogen.
Ich unterstelle der amerikanschfreundlichen CDU ,dass diese Partei uns die Bürger den AMI´s als Verkaufsobjekt ausliefert.
Längst werden wir im Visier der NSA gelandet sein , aber Tatsachen sind eben Tatsachen, oder ?


Am 21. Juni 2017 schrieb marie becker:

offenbar hat sogar die Merkelriege erkannt, dass eine feierliche staatliche Ehrung unangebracht wäre

( ich erinnere, dass Getrud Höhler bereits darauf hinwies, dass Merkel, als sie den Stab übernahm, den Männern im Umfeld den Vatermord abnahm; die gebührenden Tränchen zum Ableben ihres Gönners wollte sie sich wohl nicht abringen )

und vielleicht auf harten Widerstand der Strasse führte... und so ergibt man sich seufzend in sein Schicksal und belässt es bei dem EU- Staatsakt .


Am 21. Juni 2017 schrieb H.C. Hoffer:

... schließe mich dem Lob der Foristen für diesen sehr, sehr notwendigen Artikel über H. Kohl an.
Möchte zugleich den ebenso aufklärerischen Beitrag von Werner Rügemer hinweisen: https://arbeitsunrecht.de/nichts-zu-danken-helmut-kohl-war-nicht-nur-zufaellig-korrupt/

Und zu Kohl noch 'was:
"Als ich am Todestag von Kohl im Radio hörte, wie Kohl Geschichte geschrieben hat, fasste ich ganz spontan den Entschluss, auch Geschichte zu schreiben. Vor drei Zeugen nahm ich einen Zettel und einen Stift und schrieb "Geschichte". Da ich dieses Wort auf Anhieb richtig schrieb, gehe ich davon aus, dass man meinen Namen zukünftig in einem Atemzug mit dem Helmut Kohls aussprechen wird. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das dann ein Kompliment ist...


Am 21. Juni 2017 schrieb Eva Wedemeyer:

In diesen Tagen wird die Legende gestrickt. Mut einem "europäischen" Trauerakt soll Helmut Kohl in den Rang Karls des Großen erhoben werden. Ich bin dankbar, dass Uli Gellermann diese Geschichtsfälschung gnadenlos korrigiert. Denn die Legende ist eine Lüge. Doch von Gellermann erfährt man die Wahrheit.


Am 21. Juni 2017 schrieb altes Fachbuch:


und die mär von der "gnade der späten geburt"
:)
die kohl'sche generation wurde reingewaschen, nix verantwortung für die vorfahren, nix entschädigung für die nachfahren der anderen, nix änderungen an den zielen seit 18XX!!!
wenn man denn zögling eines dr. fritz ries gewesen ist, kann man auch nicht anders;)
natürlich ein nazi, der per arisierung reich geworden ist, und der über schleyer, biedenkopf und kohl etc.. weiter seine fäden spann. der link lohnt: https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Ries
und generationen/zeit/länder übergreifend erklärt sich auch der buna-deal: biedenkopfs vater hat in ns-zeiten dort gearbeitet, und er war mit ries's tochter verheiratet:)
glaubt jemand, andere ries's haben den osten schon aufgegeben?? die einheit ist nicht vollendet, deshalb keine verfassung!!

kohl wie merkel sind bescheidene mitglieder des e.V. atlantikbrücke.
das ist quasi die DSF mit anderen freunden:)

wie viele solcher biographien gibt es in dieser "demokratie", und sind wir schon auf dem trip zur re-feudalisierung??

die nva war nicht bei prag dabei?? in 10 jahren ist keiner mehr da, der das bestreitet. selbst in diesem forum streitet man, ob nicht ein schmidt den osten aus einem "diktatorischen, überwachenden Käfig" befreit hat: wartet doch nach nsa, whistleblowing erst mal g20 in hamburg ab - und dann redet über käfige!!


Am 20. Juni 2017 schrieb silen tium:

Danke für diese Zusammenfassung.
Mit dem "Ehrenwort" verhielt es sich jedoch meiner Erinnerung nach ein wenig anders.
Kohl hatte nicht dem deutschen Volk sein "Ehrenwort" gegeben, dass er nichts wisse, sondern er nannte die Namen der Spender einfach bis zu seinem Tod nicht, denn er habe den SPENDERN sein Ehrenwort gegeben, ihre Namen nicht zu verraten, so hieß es. Eines Verstoßes gegen die Rechtsordnung oder gar gegen die Verfassung fühle er sich dabei nicht schuldig.
Sogar auf wikipedia steht hierzu etwas durchaus interessantes: "Im August 2015 erklärte Wolfgang Schäuble in einer ARD-Fernsehdokumentation von Stephan Lamby, in Wahrheit habe es gar keine Spender gegeben, denen Kohl sein Ehrenwort hätte geben können. Vielmehr stammten die 2,1 Millionen DM aus Schwarzgeld-Konten der CDU, die bereits zu Zeiten der Flick-Affäre angelegt worden seien. Schäuble relativierte diese Aussage jedoch wieder (?Vielleicht gibt?s auch Spender?)."


Am 20. Juni 2017 schrieb silen tium:

Ähnlich kritisch und durchaus differenziert betrachtet auch Albrecht Müller von den NachDenkSeiten das Vermächtnis des Herrn Kohl:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=38807

Antwort von U. Gellermann:

Müller zitiert Wimmer: !Willy Wimmer (CDU) meint, mit Helmut Kohl als Bundeskanzler hätte es keinen Jugoslawien Krieg gegeben“. Richtig ist: Die letzte Regierung Kohl war, gegen die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens, für eine Zerschlagung Jugoslawiens, plädierte für einer vorschnellen Sloweniens und Kroatiens und legte so den Brand Jugoslawiens.


Am 20. Juni 2017 schrieb Marco Beyer:

Vielen Dank für Ihre Ausführungen zum Thema Helmut Kohl, ich bin seinerzeit leider den Lügen der Regierung unter Helmut Kohl auf den Leim gegangen. Erst Jahre später hat mir das Buch vom Herrn Bernt Engelmann "SCHWARZBUCH HELMUT KOHL oder wie man einen Staat runiert" zu verstehen gegeben, wie eiskalt dieser Mann über Leichen ging. Ihm jetzt noch europäische Ehre zu erweisen, wäre ein weiterer Schlag ins Gesicht der Millionen Menschen, die dieser Mann schlichtweg belogen hat. Das Buch enthält sehr viele interessante Informationen und ich kann es nur weiterempfehlen.


Am 20. Juni 2017 schrieb Hannes Niesslbeck:

@dario vo
Es gibt zahllose Artikel aus der Zeit des Prager Frühlings, die belegen, dass außer einer kleinen Nachrichteneinheit keine NVA-Truppen an der Niederschlagung beteiligt waren.

Google hilft, geben Sie einfach ein:

Einmarsch in CSSR ohne NVA

und Sie werden fündig. Gerüchte, die besagen dass die NVA gerne dabei gewesen wäre aber durch die Führung der UdSSR daran gehindert wurde, gab es damals reichlich, so weit ich mich erinnern kann, Beweise dafür sind mir aber nicht bekannt.


Am 20. Juni 2017 schrieb Albrecht Storz:

Bei den Verfehlungen von Herrn Kohl fehlt mir noch die, dass er nicht die Chance der Deutschen Einheit (die ihm m. E. in den Schoß gefallen ist) genutzt hat, um Deutschland souverän zu machen:
Abschluss eines echten Friedensvertrags und raus mit den US-amerikanischen Besatzungs-Soldaten.
Als Gegenleistung hätte die Bundeswehr zu einer reinen territorialen Verteidigungsarmee abgespeckt werden können.
Diese vertane Chance halte ich für das schlimmste Vermächtnis Kohls.


Am 20. Juni 2017 schrieb Sabine Kruse:

Kleine Anmerkung zur Übersetzung: "De mortuis nihil nisi bene" bedeutet: Über die Toten soll man nur in guter (also fairer/angemessener) Weise sprechen. Es wäre doch absurd, über Kriegsverbrecher nach deren Tod "nur Gutes" zu reden!


Am 20. Juni 2017 schrieb Michael Riecke:

Sehr geehrter Herr Gellermann,

ich halte Amazon für einen der größten Schweine- Läden in diesem Land. Ich selber habe dort noch nie etwas gekauft und werde dort auch niemals etwas kaufen.
Dieser Laden beutet seine Arbeitnehmer bis auf das Blut aus. Als Dank zahlt er in der BRD so gut wie keine Steuern.
Ich finde es einfach zum kotzen, diesen Verbrecherladen als Maßstab für den Erfolg oder Misserfolg eines Buches auf zu führen. Leider ist mir bewusst, dass man an diesen Erscheinungen des Spätkapitalismus nicht mehr vorbei kommt. Ich habe für mich entschieden nur noch meine Bücher über den ortsansässigen Buchhandel zu kaufen. Die behandeln ihre Mitarbeiter im allgemeinen anständig und zahlen hier ihre steuern.

Antwort von U. Gellermann:

Das sehe ich ähnlich, aber für einen eigenen Buchvertrieb langt die Kraft nicht.


Am 19. Juni 2017 schrieb Uschi Peter:

@Bernhard Moser
Wer hat dann sofort nachdem die DDR tot war, zu dieser Leichenfledderei aufgerufen? Ungebrochen geht die "Delegitimierun der DDR" (Forderung des BND-Mannes Kinkel), dieses "Unrechtsstaates" weiter. Man sucht und bohrt, und auch wenn man nichts findet, wird etwas erfunden.


Am 19. Juni 2017 schrieb Ulrike Spurgat:

.....wie angenehm, nach all der unerträglichen Lobhudelei im Land des Nachfolgers von Adenauers Schoßhündchen, ein Artikel, der den Galeristen wieder in Hochform zeigt. Nichts desto trotz lieber Uli, neben dem Dank, eine besondere Bitte an dich: ab und an halblang zu machen......., und zu akzeptieren, dass jede Veränderung, nach einer Erkrankung nun einmal ihre Zeit braucht. Doch wie lang ist Zeit ?
Am 21. 11.1983 hält Kohl eine Rede zum NATO Doppelbeschluss, mit folgender Kernaussage:
Zusammengefasst: Die Sowjetunion ist und bleibt der Feind. 27 Millionen ermordete Sowjetbürger lassen Kohl nicht innehalten. Er tut das, was die cDU bis Heute tut: Die sPD macht die Steilvorlage, und die cDU setzt es um.
Es erinnert an den ollen Adenauer, nach 1945.- Hier hat Helmut Schmidt ganze kriegerische Arbeit geleistet. 34 Jahre (1979) nach den schlimmsten Verbrechen des Faschismus, mit unvorstellbaren, menschlichen Verlusten, besonders in der Sowjetunion wurde in Deutschland wiederaufgerüstet.
Eine Schande, mit der bitteren Erkenntnis, dass alle Kämpfe in der Republik, in einer wachsenden Demokratie, mit all den Widerspruchen keine Bedeutung finden konnten.Die Nase wurde gedreht, und von Volkes Mitbestimmung und Alle Macht geht vom Volk aus,ist der NATO Doppelbeschluss geblieben, und Deutschland war wieder in der Spirale der Aufrüstung, unter dem Deckmantel von Begriffen, wie Freiheit, Sicherheit und der Russe, der die Nase voll von Krieg, Zerstörung, Not und Elend hatte, musste, wie immer, herhalten.
Kohl ist einer dieser Verbrecher, der den USA,wie Adenauer, kritiklos, unterwürfig und verantwortungslos und gerne die Zügel des Geschehens überlassen hat. Die wirklich wichtige Entscheidung, die Konsequenzen mit Verantwortung hat, ist nicht getroffen worden, von all den Hasenfüßen, und Kohl ist einer ihnen: NIE WIEDER KRIEG und NIE WIEDER FASCHISMUS waren Lippenbekenntnisse, und hohle Phrasen.
Ein Schmerz, der nie aufhörte, bei denen, die gegen den Faschismus, unter Einsatz ihrer Lebens gekämpft haben, und überlebt hatten, und diese Politiker ohne Haltung und Würde, mit Lug und Betrug die Rüstungsspirale wieder gesellschaftsfähig machten.
Zu Gorbatschow, der in Russland völlig anders bewertet wird, als im Westen ist sehr viel zu sagen: Er hat sich dem Kapitalismus angedient, und während das Volk mit seinen unsinnigen Gesetzen, ganze Weinanbaugebiete zerstören mussten, mit unvorhersehbaren Folgen für die Volkswirtschaft, nämlich hohe Arbeitslosigkeit für Arbeiter, Bauern und Landarbeitern, die von Heute auf Morgen kein Einkommen mehr hatten, um nur einige, von unendlich vielen gesellschaftlichen Problemen zu nennen, sich selbst ein Domizil am Schwarzen Meer bauen ließ, was mehr als irritierend und seltsam anmutet. -
Von den wirklichen Problemen, die in der Gesellschaft die Folge waren, und Millionen von Menschen in Not und Elend getrieben wurden, wo der Westen sich den schlanken Fuß gemacht hat, gibt es vielleicht eine andere Gelegenheit näher darauf eingehen zu können.
Kohl war einer von den vielen, nichtssagenden, austauschbaren Politikern, die nichts gelernt haben, nach Krieg und Faschismus, von Deutschland angezettelt, und die Wiedervereinigung ? Friedlich, ohne Waffengewalt sind die Russen abgezogen, und haben akzeptiert. Die kriegerische USA hätte dieses niemals mit ihrem Bestreben die Völker der Welt, unter ihre dreckigen Stiefel zu bringen akzeptiert. Davon muss die Geschichte erzählen, weil das auch Hoffnung hat.
Allerdings ist das nicht der Verdienst von Kohl und Konsorten. Wer Krieg, Verlust, nicht in Worte zu fassen erlebt hat, wird nie leichtfertig mit der Frage Krieg und Frieden umgehen können, weil diese Fragen die gesamte Menschheit betreffen, und die Erkenntnis und Einsicht hat die Truppen friedlich abziehen lassen, und das darf nie vergessen werden.


Am 19. Juni 2017 schrieb marie becker:

nun ja, die Angela hat dabei aber nicht nur die passive Rolle gespielt, sie hatte sich fleißig für die Übernahme in den Kaderschmieden der DDR und Moskaus trainiert
und mir will einfach nicht in den Kopf, warum Deutschland sich diesen schwarzen Engel an die Spitze stellte...


Am 19. Juni 2017 schrieb Helmut Ische:

endlich ein nachruf auf helmut kohl der es verdient gelesen und weiterverbreitet zu werden.
als unwissender habe ich einige zusätzliche anmerkungen:
1. haben die herrschenden dieses landes ( und auch überall anderswo - mit wenigen ausnahmen ) bei der regierungsbildung seit 1945/48 jemals ins "klo" gegriffen? will sagen: von adenauer bis merkel, keine/r ist dem kapital auch nur ansatzweise in die quere gekommen. wie auch? nicht brandt, nicht schmidt, nicht schröder. genau wie der jetzt von uns gegangene (von mir nicht) waren und sind sie alle erfüllungsgehilfen der hier herrschenden. sonst wären sie nie in amt und würden gekommen. also auch nicht der durch und durch korrupte kohl.
2.kann es sein, dass es mit kohl wohl keinen militärischen angriff auf jugoslawien gegeben hätte. mag sein, ich liege falsch, doch ich vermute, das zu diesem szenario - sprich krieg - solche widerlinge wie schröder, fischer, scharping gebraucht wurden und birne es abgelehnt hätte.. also wurden diese sog. friedensengel installiert um jugoslawien zu zerschlagen. was AH nicht schaffte.....kapital und SPD/Grüne vollenden. egal, ob steinewerfend in der jugend, oder marxistische positionen vertretend als sog. 68 (schröder). die jungs haben sich ja angepasst. also, das kapital war schon immer sehr spendabel. was machen diese typen heute? dienen wie damals dem kapital.
3. zum schluss: kohl wurde zu seiner zeit gebraucht. ergo hat die kapitalfraktion der CDU/FDP - kohl/genscher/lambsdorff - drei der hörigsten typen des kapitals den befehl umgesetzt. zeit zum wandel.
4. und kurz und knapp in die heutige zeit: merkel - ausgerechnet die, die uns der dicke vor die nase gesetzt hat ( nebenbei: jedes volk hat die regierung, die es verdient), scheint im september wieder die mehrheit bei der wahl einzusammeln. schulz, dieser sog. politiker, hat nur chancen, sollte das kapital glauben eine agenda 2030 lässt sich nur mit spezialdemokraten durchsetzen........ansonsten kohl mit merkelraute.
will sagen.....egal wer regiert....es ist das kapital. helmut kohl ruhe wie du willst, aber ruhe!!!


Am 19. Juni 2017 schrieb Wolfgang Bittner:

Hervorragend, lieber Uli Gellermann, vor allem die Details, die von den Journalisten und Politiker (bis zu Schulz) unterschlagen werden. Das war fällig!
Hinzu kommt noch, dass die Versprechungen der blühenden Landschaften etc. und die Einbeziehung der DDR-Bevölkerung in die Bundestagswahl den Sozialdemokraten mit Oskar Lafontaine, die nach allen Prognosen die Wahl gewonnen hätten, die Niederlage eingebracht hat.


Am 19. Juni 2017 schrieb Karola Schramm:


Danke lieber Uli Gellermann für diesen außergewöhnlichen Nachruf auf einen Mann, der Kanzler durch ein Misstrauensvotum und Kungelei mit Genscher wurde.
Diese Lobhudelei auf einen Mann, der so Kanzler wurde, ist einfach nur abschreckend und macht tief betroffen, wenn man liest, wie nachweisliche Fehler lächelnd akzeptiert wurden: "So ist er eben. Machtmenschen sind so."

Ähnliches Verhalten wird auch Merkel immer wieder von den christlichen Parteien und den kernlosen Sozialen verziehen.
Dann muss man sich fragen, ob es in der Politik wirklich um Demokratie geht oder nur um die Unterstützung für den größten Narzissten und Machtmenschen aus der eigenen Partei um diesen an die Macht zu bringen.

Dass Kohl nicht der Kanzler, soll heißen Macher, der Einheit war, wird gerne unterschlagen. Vorbereiter und Akteur war Willi Brand (SPD) mit seiner Politik der Annäherung und Vertrauensbildung mit Russland und DDR-Führung und dem Willen der DDR-Bevölkerung aus dem diktatorischen, überwachenden Käfig herauszukommen. Zudem mussten auch die Siegermächte zustimmen. Die Regierung Kohl hatte schon den USA in Sachen NATO-Doppelbeschluss Zustimmung signalisiert und diesen zur Staatsräson erklärt.
Er war der CDU-CSU-FDP Kanzler der BRD und wurde dann automatisch Kanzler von Groß-Deutschland. Das war kein Verdienst sondern lag an dem Status, den er inne hatte.

Seine Reden von "blühenden Landschaften" war ein Bluff, denn nach der Ausbeinung der DDR durch westdeutsche und internationale Banken und Industien wurde den Menschen dort sehr schnell klar, dass nicht Kohl die "Hosen an hat", sondern die neoliberal agierenden Unternehmen deren williger Vollstrecker er war.
Innenpoitisch also ein Macher und krapftprotzender Machtmensch und außenpolitisch einer, der sich den Stärkeren wie den USA, fast vollkommen unterwarf. Ähnlich agiert Merkel - wobei bei ihr das "nach oben buckeln und nach unten treten" z.B. gegen kleinere Länder, dazu kommt.

Machtmenschen kombiniert mit krankhaftem Narzissmus müssen von der Politik fern gehalten werden. Sie schaden mehr als sie nützen.
Warum gerade solche Menschen immer wieder von der deutschen Bevölkerung in der Mehrheit gewählt werden, kann für mich nur mit dem Wunsch nach Diktatur und Macht und eigener Unterwerfung erklärt werden.

Kohl, der "schwarze Riese" ist tot - doch der Narzismus und der Größenwahn leben im Erbe der jetzigen Bundeskanzlerin weiter, was sich erst ändern wird, wenn die Menschen in DE endlich begreifen, dass sie aufrecht gehen können und Politiker, die sich selbst für das Gesetz halten, Diktatoren sind und man nicht wählen darf, wenn man Frieden und ein gutes Leben für alle Menschen will.


Am 19. Juni 2017 schrieb dario vo:

@uschi peter: Na ja, 1968 war ich erst 13. Aber ein paar Jahre später hab ich schon andere Jugendliche aus Prag oder Ostberlin getroffen, mit denen sich leicht ein gemeinsames Verständnis über imperialistische Kriege wie in Vietnam und stalinistischen Antiimperialismus á la Budapest und Prag herstellen ließ. Dass die NVA beim Einmarsch in Prag nicht dabei war, ist mir tatsächlich neu. Deine Quellen kannst Du mir aber gern unter dariovo@web.de mitteilen.
Wir Wessis hatten mit Blick auf die Revolutionen in China und Kuba ohnehin einen anderen Blick auf den Klassenkampf.
Gemeinsam bleibt uns aber der Blick auf die Ära Kohl als Ära imperialistischer Restauration und wohl auch die Trauer um eine unabhängige DDR. Die Aufgabe den Klassenkampf weiter zu entwickeln, bleibt uns bei allen Differenzen aber nicht erspart.

Antwort von U. Gellermann:

Lieber dario, wenn ich als Quelle akzeptiert werde: Es gab keine NVA-Truppen beim Einmarsch der Pakt-Staaten in Prag 1968. Mir damals mündlich zugetragen: Das SED-Politbüro fürchtete unliebsame Erinnerungen an eine andere Sorte deutscher Soldaten in Prag vor 1945.


Am 19. Juni 2017 schrieb Dix Blind:

Ist großen Staatsmännern der einfache Bürger nun egal, geht es um Selbstbereicherung oder welcher Sache wird gedient? Könnte es sein, dass da viel mehr drohte und vieles abgewandt wurde? Muß ein kleines Übel in Kauf genommen werden, um so viel Gutes tun zu können? Ist es tatsächlich Gutes? Wer entscheidet das und wann? Ich freue mich auf Antworten.

Antwort von U. Gellermann:

Helmuth Kohl war schon ein ziemlich großes Übel. Noch größere sind immer vorstellbar, waren aber in seiner Zeit in Deutschland nicht in Sicht.


Am 19. Juni 2017 schrieb tom cicic:

Machen Sie sich keine Sorgen um die Kohlsche Verantwortung beim Zerfall Jugoslawiens. Selbst wenn dieser von Aussen befeuert worden wäre, hätten Kanzler und Aussenminister des Vasallenstaates lediglich Instruktionen des Lehensherrn befolgt...

Jugoslawien ist als Folterkammer und Gefängnis für die einzelnen zu unterschiedlichen Völker schliesslich von selbst zerfallen.
Eine Sprache, eine Kultur, eine Währung, ein Wirtschaftsraum, vom ZK diktierte Gesetze.
Kommt Ihnen das bekannt vor? Ach ja, "unsere" EU wird ja nach diesen Prinzipien geführt.
Deshalb wird ja auch die EU - ob mit oder ohne Einfluss von Aussen - genauso enden wie Jugoslawien: im Bürgerkrieg!

Antwort von U. Gellermann:

Ihr Blick auf das Tito-Jugoslawien ist von wenig Kenntnis getrübt. Dafür haben sie auch nicht die relative Eigenständigkeit des deutschen Imperialismus begriffen.


Am 19. Juni 2017 schrieb Otto Bismark:

Sehr geehrter Herr Gellermann,
ich bin außerordentlich froh, Sie wieder bei guter Gesundheit zu finden.
Ihr Beitrag zum Ableben Helmut Kohls zeigt in nicht mehr zu übertreffender Deutlichkeit das wahre Gesicht des "Überkanzlers" und dem ist wohl überhaupt nichts mehr hinzuzufügen.
Mit den besten Wünschen!


Am 19. Juni 2017 schrieb Matthias Brendel:

Volle Übereinstimmung, danke für den Nachruf, der Mann war wie eine dicke schwarze Wolke über dem Land und er hat uns jahrzehntelang genervt.
Allein für das Kabarett war er eine Offenbarung.
Das wirklich Fatale an der Geschichte ist und auch das hat der Galerist
herausgearbeitet, dass er uns "sein Mädchen" hinterlassen hat, das er perfekt ausgebildet hat im Aussitzen und hinterzimmergeschäftemachen.
Die Einheit ist ihm weitgehend in den Schoss gefallen, sein System mit dem grossen Geldbeutel Politik zu machen ist von Frau Merkel übernommen worden, man muss nur sehen, was vor der afrikanischen Küste los ist, nachdem Frau Merkel dort Milliarden verteilt hat, damit die Libyer nun selbst die Bootsflüchtlinge "jagen" dürfen.
Ob ihm die Russlandhetzerei seiner Nachfolgerin gefallen hat, ist einerseits zu bezweifeln, andererseits war der Mann ja schon die letzten 9 Jahre sehr krank, da setzt man andere Präferenzen.
Klar wäre es wichtig gewesen, auch mal ein "Töricht" in den Raum zu werfen, über das heute angesagte Russland Bashing, aber ich glaube er hatte zuletzt andere Sorgen.
Jetzt haben wir Frau Merkel und die hat seine Art Politik zu machen verfeinert und perfektioniert.
Das sind nun unsere aktuellen grossen Sorgen, denn wir wollen hier in Frieden und Freiheit weiter leben, ohne dass die Gesetze heimlich, während sportlicher Grossveranstaltungen von Lobbyisten geschrieben werden und die Atomraketendichte weiter wächst vor unserer Haustür.
Wie hat Frau Merkel noch neulich zu einer besorgten Wählerin in einer ihrer seltenen Fragestunden gesagt:
"Wenn Sie Angst haben, dann gehen Sie doch in die Kirche beten, das hilft."
Unser Ziel kann nur heissen: Merkel in Frieden und Freiheit zu überstehen, ohne dass Beten die letzte Option ist.


Am 19. Juni 2017 schrieb Bri Mensah-Attoh::

Welch ein postmortales Geheuchel, welch falsche Lobhudeleien derzeit in den Medien - und das wider besseres Wissen besonders von Zeitgenossen -
viel Krokodilstränen um Helmut Kohl, das abgefeimte Schlitzohr, der peinliche Saumagenfreund aus Oggersheim, der Dicke - den wir Birne nannten...

Dabei erinnere ich mich noch sehr gut an jene Zeit, die von Kohl-Trampeleien in sämtliche Fettnäpfe, vom Aussitzen geprägt war und von Korruption (Flickaffäre), von Geldgeschenken .... (Staeck war damals ja auch ein herausragender Kohl-Kritiker - DER traute sich vielleicht was!
Womöglich aber lobhudelt sogar auch der jetzt im Chor mit all den anderen)?

Und daß Helmut Kohl unbegreiflicherweise mit weißer Weste aus der dubiosen "Schwarze-Kassen-Affäre" (deklariert als "jüdische Vermächtnisse") heraus kam, das ist mir völlig unverständlich geblieben!

Aber besonders auch daran, daß es während der Ära Kohl zu vielen geheimen Waffengeschäften /-lieferungen an die Türkei kam (unkenntlich gemachte NVA-PANZER, mit denen anschließend hunderte kurdischer Dörfer plattgemacht wurden - empörenderweise ziemlich bald nach dem Mauerfall - dem "Verdienst des Wiedervereinigungskanzlers").

So schließe ich mich denjenigen an, denen der Name Helmut Kohl nichts als schlechte Erinnerungen bedeutet!


Am 18. Juni 2017 schrieb Rüdiger Becker:

Der war für mich die Inklarnation des Üblen.
Er möge in Frieden ruhen? Kann ich nicht unterschreiben.


Am 18. Juni 2017 schrieb altes Fachbuch:

protest gegen die meinung von g.mann!!

man kann und darf kohl nicht gemocht haben!!
ABER man darf AH nicht als vergleich heranziehen, und ihn dann auch noch besser abschneiden lassen!!


Am 18. Juni 2017 schrieb marie becker:

Kanzler der Einheit, verdienstvoller Lorbeer(???)

die Einheit fiel ihm in den Schoß wie eine reife Frucht...nur dass sie da nicht mal Platz fand, eine Birne hat eben keinen Schoß, sie rutschte schief in den Abgrund und bis heute ist sie verloren...
man sehe nur wie "böse" die Sachsen sind , fast so böse wie Putin....




Am 18. Juni 2017 schrieb Marc Britz:

Gott ist nicht zuständig. Es ist Aufgabe des Teufels sich aller Art Seelenverkäufer anzunehmen. Der weiss dann auch das jeweils richtige Schmerzmass für die Verantwortlichen "auf deren Konto Millionen toter Russen, Juden, Völker aller Art gehen" und für deren anderweitig schandtätliche christ- und sozialdemokratischen Nachfolger festzusetzen. Da ich aber kein Satanist bin, ist es für mich immer wieder traurig zu sehen, wenn einer wie Kohl mit Hilfe des Todes einer eigentlich notwendigen wie auch immer gearteten weltlichen Gerichtsbarkeit entkommt.

Noch kurz was zum Thema Pietät. Als Thatcher starb, sangen einige Briten vor Freude das Lied "Ding Dong, the Witch is Dead" aus dem Film "The Wizard of Oz". Gleichzeitig verhalfen sie über soziale Netzwerke dem Lied zu hohen Platzierungen in den UK-Charts. Die gleichen Leute helfen heute Jeremy Corbyn den Neoliberalen ordentlich einzuheizen. Wir Deutschen trauen uns nicht mal zu singen. Das muss anders werden. Dass Herr Gellermann hier den Anfang macht den toten Reiter des hoffentlich auch sterbenden Rosses beim Namen zu nennen ist sein Verdienst.


Am 18. Juni 2017 schrieb Uschi Peter:

@dario vo (ohne hier unkritisch gegenüber Prag 1968 zu werden)
Ist die Bundeswehr in Prag einmarschiert? Denn die NVA war es nachweislich nicht!.
Zu @Wurzelzwerg Unterschätzen Sie die Kraft eines "einzelnen Mannes" nicht, Uli. Es gibt genügend Persönlichkeiten in der Geschichte, die ganze Reiche zerstörten, bzw. errichteten. Das begann nicht erst mit Alexander, dem Großen und endet auch nicht mit Hitler, dem GröFaz.
Natürlich hatten all diese Männer ihre Leute, die aber durch das Charisma dieses einzigen Mannes betört wurden. Diese Unikate tauchen meist wie Phönix aus der Asche auf. Man muss demVolk nur genügend Honig ums Maul schmieren, dann läuft die Herde blökend hinterher.


Am 18. Juni 2017 schrieb Bernhard Moser:

Lieber Herr Gellermann,

das Fernsehen ist Kohl selbstverständlich treu bis nach dem Tod.

Nach der Wiedervereinigung zitierte Kohl die Macher des sogenannten öffentlich-rechtlichen Fernsehens
zu sich ins Kanzleramt und übermittelte diesen, dass nichts Negatives über Ostdeutschland, die nun
ja zu "blühenden Landschaften" werden sollte, berichtet werden darf.

Zusatz:
Seine Ziehtochter Merkel machte 2015, nachdem sie Dublin-Abkommen und Einzelfallprüfung für
Syrienflüchtlinge aus Kraft setzten ließ, um Assad durch den Weggang vor allem jüngerer Männer
zu schwächen, das Gleiche: Die Macher des sogenannten öffentlich-rechtlichen Fernsehens
wurden diesmal von ihr ins Kanzleramt zitiert, mit der Anweisung, nichts Negatives über Flüchtlinge zu senden.
Wobei ich mir fast sicher bin, dass sie kritische Ukraine-und Syrien Berichterstattung der sogenannten ÖR schon vorher
unterbunden hat.


Am 18. Juni 2017 schrieb Wera Blanke:

Der Dank fürs Zurechtrücken der medialen Verkohlung ist ja so reichlich ausgedrückt worden, dass ich mich dem Galerie-Mainstream nur anschließen kann.
Das mit dem "Ehrenwort" erinnere ich allerdings anders:
Nicht "dem deutschen Volk und wer es sonst noch wissen wollte" hat HK sein "Ehrenwort" gegeben, sondern den Spendern, dass er ihre Anonymität wahren würde - was dann ja auch geschah, mit all den bekannten Folgen, bis zur heutigen AM.
Auch das hätte Stoff für Satire geboten, vielleicht noch schärfere?


Am 18. Juni 2017 schrieb altes Fachbuch:

darf ich dem mitforisten lutz jahoda zum 90. gratulieren, oder ist das zu weit vom thema weg!!??
herzlichste glückwünsche, viel gesundheit und einfallsreichtum, an dem wir hoffentlich bald wieder teilhaben dürfen:)

damit bin ich mit dem kohl eigentlich auch schon durch!

Antwort von U. Gellermann:

Selbstverständlich ist Lutz Jahoda weit, weit von Kohl entfernt. Aber den Glückwünschen schließe ich mich unbedingt an.


Am 18. Juni 2017 schrieb Kim Sahnemond:

Danke für den kritischen Kommentar nebst den Verweisen auf die organisierte Einebnung der DDR-Wirtschaft nach 1989 sowie die so blutige "Transformation" in Jugoslawien und die Zerstörung dieses Staates. Müsste es nicht aber "... vorschnellen Anerkennung Kroatiens und Sloweniens ..." heißen (im Text ist von Aberkennung die Rede)? Alles Gute!


Am 18. Juni 2017 schrieb Pat Hall:

Nachruf :
Alexander Kocks & Michael Kohle & andere Kommentatoren wie auch U.Spurgart sind mir mit ihrem fundamentalem Wissen ja ausreichend und mit Wohlsinn bekannt.
Es wird hier auf diesem Blog über Ereignisse diskutiert welche den Tatsachen & Hintergründen der Veröffentlichkeit geschuldet ist.
Wie kommen Schmähungen anderer zustande die anderer Meinung sind ?


Am 18. Juni 2017 schrieb Benny Thomas Olieni:

Danke für den Nachruf auf diesen unseren
Pfälzer Saumagen!

Kleine Ergänzung, nicht nur des Reimes willen:

Kelmut Hohl
Leuna Minol.

Da war doch was?


Am 18. Juni 2017 schrieb Harald Weinberg:

Der Nachruf deckt sich mit meinen Erinnerungen an die "Ära Kohl". Eine kleine Korrektur: "Zu gern wird unterschlagen, dass es die letzte Regierung Kohl war, die gegen die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens für eine Zerschlagung Jugoslawiens plädierte und mit einer vorschnellen Aberkennung Kroatiens und Sloweniens den nationalistischen Brandsatz in das kokelnde jugoslawische Haus warf." Hier muss es wohl heißen: "vorschnellen Anerkennung", oder? Daran hatte Herr Genscher im übrigen einen unrühmlichen Anteil.


Am 18. Juni 2017 schrieb Rainer Weber:

So ganz scheint das Marketing-Konzept von Gellermann nicht aufgegangen zu sein. Den Lesern ist wohl klar geworden, dass die "Rezensionen" den Verkauf des Tagesschau-Buches ankurbeln sollte. An den wenigen Reaktionen merkt man: Durchschaut!


Am 18. Juni 2017 schrieb Michael Kohle:

Uli Gellermann hat mit seinem Nachruf für den letzten Riesen deutscher Nation so ziemlich alles aus den vergessenen Katakomben hervorgeholt, was den deutschen Michael doch noch nie auch nur im Ansatz hätte interessieren dürfen. Auch seine Auslassungen seinerzeit zum Hinscheiden des anderen Helmut hatten solcherlei Qualitäten. Sicherlich, dem Grundsatz vom „de mortuis nil nisi bene?“ hat er in beiden Fällen nicht gehuldigt. Brauchte er auch nicht, das haben Heerscharen von Schleimscheißern jeglicher Couleur bestens hingebracht, erstaunlicherweise bei und zu beiden Helden, obwohl sie doch wie einst Achill und Hector wenig Gemeinsames aufzuweisen hatten.

Nirgendwo wird soviel gelogen wie vor dem offenen Sarg, hat mich mein Vater einst gelehrt. Und nirgendwo feiert Geschichtsklitterung größere Feste, so muss ich ihn heute toppen. Der Galerist muss wohl ähnliches Magendrücken verspürt haben, zu deren Transskript er sich wohl gedrängt sah. Gleich nach der erstmaligen Zurkenntnisnahme des größtmöglichen, erlittenen Verlustes urbi et orbi - in Oggersheim und im Erdenrund in dem Falle, musste auch ich mir meine ersten Gedanken von der Seele schreiben. Sie fielen mir gleich wieder ein, als ich auf Alexanders Kocks Äußerung hier stieß „Positiv rechne ich Herrn Kohl an, dass er ein freundschaftliches Verhältnis zu Russland gesucht hat“ Möge er in Frieden ruhen? Sapperlot. Meine Auslassungen zu gleichem Kontext, anderweitig irgendwo in der darknet-bubble eingestellt, fielen nicht nur nicht ganz so positiv aus, indirekt stellten sie auch das R.I.P. in Frage. Ausnahmsweise darf ich mich mal hier selbst zitieren,
auch wenn ich mal wieder mein gehütetes Inkognito oute:

„Wenn der Kanzler der Einheit über seinen Tod hinaus etwas für dieses unser aller Land und für Europa insgesamt hätte vollbringen wollen, dann wäre doch jetzt die beste Gelegenheit dafür. Zeit genug zur Vorbereitung hatte er ja. Ein Gruss aus dem off, an Gorbi bzw. an Russland, und die Entschuldigung dafür, dass sein Versprechen nur Versprochenes aber nichts Gehaltenes war. Wenigstens ein Wort gegen die galoppierende Elefantiasis der NATO im Osten hätte doch drin sein müssen, schließlich verdankte er „dem Russen“ alles. .. jener Spaziergang am Ufer der Wolga in der Strickjacke. Und trotzdem, mußte das Ableben gerade jetzt sein? Die deutschen Truppen, Panzer und Aufklärungsflugzeuge und was weiß ich sonst noch sturmbereit vor der ?russischen Außenfront?, war das wirklich damals am Wolgaufer so angedacht? Sollte womöglich der EX-Kanzler gestern bei der Ankunft – wo auch immer – einen Schulterklapps von einem anderen EX-Kanzler dafür bekommen haben??

Wenn ihm wirklich so viel am Verhältnis zu Russland gelegen wäre, gar ein wenig an Dankbarkeit in dunklen, stillen Momenten aufgekeimt wäre, warum hat er denn dann nicht wenigstens einmal noch sein ewig blubberndes „Töricht“ von sich gegeben darüber, wie mit seinem Vermächtnis ausgerechnet hinsichtlich Russland so umgegangen wurde. Es hätte ihn nichts gekostet, dieses vernichtende Urteil noch einmal hinauszuprusten, immer und immer wieder zum Einsatz gebracht von ihm, wenn es darum ging Ideen, Gedanken die nicht von ihm kamen, zu verdammen.

Für jemand, der einstmals die „Geistig-moralische Wende“ einforderte und sie auch versprach, so wie später einmal blühende Landschaften, erscheint mir - nicht nur im Nachhinein - die behauptete geistige und menschliche Größe des jetzt verblichenen Titanen doch etwas arg überstrapaziert. Da brauche ich gar nicht weit auszuholen. Da reicht es völlig, mal zu googeln bezüglich ein paar seiner persönlichen Auffälligkeiten, bekannt vornehmlich aus der Yellow-Press. Da fände sich - man muss nur wollen - unter den Klassifikationen nach ICD-10 so einiges, was ihm nicht gerade zum Vorteil gereicht hätte. Sage mir, wie du mit deinen Nächsten umgehst und ich sage dir was für ein Mensch du bist.

Hatte eigentlich darauf gesetzt, dass ihm als Einheitskanzler eine ewige Flamme unterm Brandenburger Torbogen gewidmet wird, ein erstes europäisches Staatsbegräbnis ist aber auch nicht übel. Wollen wir es dabei bewenden lassen.

P.S.

Übrigens!
Alexander Kocks liefert als zweite gute Tat für positives rating auch noch: Kohl „selbst es vermieden hat die BRD in einen Krieg zu verwickeln, obwohl der Druck zum 1. Irak Krieg wohl gewaltig gewesen sein muss.“ Aber ja doch! Hat uns ja auch nur schlappe 16 Milliarden gekostet. Gute deutsche Mark, wie der Kanzler wähnte. Dann doch Dollares, wie sein damaliger Freund, Gönner, US-Präsident und ehemaliger CIA-Direktor ihn flugs zu überzeugen vermochte, so jedenfalls nach den immer gut informierten bösen Zungen Und der Dollarkurs war zu der Zeit alles andere als notleidend. Da ging es womöglich mindestens ums zwei- bis dreifache. Prost Mahlzeit, da ging sie hin, die gerade frisch erbeutete Kriegskasse aus Deutschneufundland. Pure Verschwörungstheorie? Sorry, es muß sein: ein Beitrag aus Zeiten, in denen Sturmgeschütze noch richtig interessante, echte Meldungen verbreiteten: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13489552.html.


Am 18. Juni 2017 schrieb Spargel Tarzan:


Eine Würdigung des Dicken, die seinem Werken und Wirken gerecht wird. Dem Plum von Verdun mit einem nicht minderen Plisch.
Dem Fleisch gewordenen Saumagen der nun, seit dem ihn die Würmer haben, als großer Europäer Auferstehung feiern soll und dessen Himmelfahrt mit Straßen und Plätzen gepflastert werden soll. Womöglich bekommen wir noch einen neuen Nationalfeiertag, als Ersatz für den 17. Juni, den eh keiner mehr kennen will, um mit Winkelementen am Straßenrand seiner zu huldigen.
Und weil wir doch nun so lange keinen Kaiser oder Führer mehr haben, wird uns nun der Kohl als Messias so lange ins Gehirn geprügelt, bis es auch der letzte Vollpfosten geschluckt hat. Heil Helmut, denn Du wirst dereinst erlöst von der heiligen und barmherzigen Angela von der Alster.


Am 18. Juni 2017 schrieb Bea Hartung:

Sie geben mir die Gewissheit zurück: Nicht meine Erinnerung ist schwer beschädigt, sondern das Erinnerungsvermögen der bundesdeutschen Öffentlichkeit ist brainwashed.


Am 18. Juni 2017 schrieb Susanne Kreuzer:

Danke für den Beitrag, ich hatte schon befürchtet, die einzige mit einem Gedächtnis zu sein. Und das ist das wahre Trauerspiel in diesem Trauerfall. Mein Beileid.


Am 18. Juni 2017 schrieb SIERA:

Ja- unbedingt, Herr Henning!Jetzt wird „Pietät“ angemahnt, damit nicht irgendwer auf die Idee kommen könnte, was für ein Mensch da gestorben ist ! Ob Kohl „in Frieden ruht „ oder nicht, steht gar nicht zur Debatte! Aber wie vielen Menschen er den Frieden geraubt hat -z.B. „Blühende Landschaften“ , etc.- sollte schon erwähnt werden…Wie „pietätvoll“ = respektvoll ist der Verstorbene mit den Menschen , die von seiner Politik abhängig waren, umgegangen? Nachzulesen im Artikel!- Nach allen Lobhudeleien eine Wohltat , eine kritische Stimme zu hören! Dank an den Galeristen!


Am 18. Juni 2017 schrieb dario vo:


Zur Vollständigkeit will ich noch korrigieren, dass es unter Schröder/Fischer zwar den ersten Angriffskrieg der deutschen Nachkriegsgeschichte gab (ohne hier unkritisch gegenüber Prag 1968 zu werden), aber Kohl/FDP-irgendwer durchaus nach dieser "Wir-sind wieder-wer"-Einheit Auslandseinsätze der deutschen Armee forciert hat. Zunächst zur Gewöhnung streng mit UN-Mandat. Da fällt mit etwa ein Sanitätsbatallion in Kambodscha ein. Ein Einsatz, der in Kambodscha vor allem die Kinderprostitution förderte. Der erste Somaliaeinsatz war m.W. auch unter einer Kohlregierung.
Zur Unterwerfung der DDR trug Kohl wohl auch bei. Er soll gemeinsam mit Brüssel dafür gesorgt haben, dass eine Unabhängige DDR nach 1989 keine Kredite mehr bekam. Ein Vorläufer der Griechenland-Strategie gewissermaßen.
Bleibt die Frage nach dem Grund des medialen Weihrauchs über Kohl. Selbst Schmidt - Kanzler des deutschen Herbst und Sargträger westdeutscher Bürgerrechte - erhielt weniger postmortales Geschmuse.
Es geht sicher nicht darum, den PEGIDAS auf ihren sächsischen Bäumen ein paar neue Bananen zu reichen. Da Schröder der Kanzler des neoliberalen Durchbruchs war, und die zunehmende Spaltung der Gesellschaft immer weniger Freunde findet, braucht es wohl eine Fiktion zur Beschwörung von deutschen und europäischen Einheitswünschen unter Kapitalregie.


Am 18. Juni 2017 schrieb Detlev Matthias Daniel:

De mortuis nihil nisi bene.
Laßt uns also schweigen - als einzig angemessene Form des Nachrufs auf Helmut Kohl.

Antwort von U. Gellermann:

Während die Massenmedien den wirklichen Verlauf der Geschichte zu einem Kohl-Festival umschminken, soll einer der dabei gewesen ist schweigen? Nö.


Am 18. Juni 2017 schrieb Pat Hall:

...und sammelte die Krümel ein...ach was mußte ich doch Schmunzeln ha ha ha,
dieser Mann hat den Osten,wie Du beschrieben hast,ausplündern lassen und das Volksvermögen an die Banken verscherbelt.
Anstatt die Ossi´s durch ein kleines Loch in Mauer in den Westen hinein schauen zu lassen,wurde alles Niedergemacht was nur Ansatzweise noch DDR roch.
H.Kohl mag ein großer Mann gewesen sein, aber auch ein gerissenes Schlitzohr der nix zu Allgemeinwohl des Volkes beigetragen hat, oder war da etwas was ich übersehen habe ?
Mögen andere ihren Trauerflor tragen,aber ich werde Birne nicht vermissen.
Danke Uli.G. für Deinen Beitrag zum Ableben dieses Ehrenwort-Politikers


Am 18. Juni 2017 schrieb Herr Wurzelzwerg:

Im großen und ganzen bin ich ja gleicher Ansicht wie Sie, Herr Gellermann. Nur eines würde ich gern korrigieren wollen: Gorbatschow war kein freundlicher Mann, er hat sein Vaterland und auch mein Vaterland an den Feind verraten. Und das Volksvermögen der DDR ging nicht deshalb flöten, weil die Leute reisen wollten, sondern nach einem genau festgelegten Plan sollte die sozialistische Wirtschaft der DDR zerschlagen werden. Was dann ja auch geschah. Breuel erhielt wohl noch das Bundesverdienstkreuz für eifriges Zerstören der Wirtschaft eines ganzen deutschen Staates.

Antwort von U. Gellermann:

Ein einziger Mann soll Millionen Bürger der DDR und der Sowjetunion ohne deren Gegenwehr „verraten“ haben? Das scheint mir eine arge Überbewertung der Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte.


Am 18. Juni 2017 schrieb Alfred Matejka:

Vielen Dank Uli für diesen Nachruf. Als ich die Stellungnahmen von Lafontaine über Putin bis Wimmer las,hatte ich schon gedacht: habe ich da was verkehrt mitbekommen in der Zeit während seiner Kanzlerschaft? Aber schon damals haben sich die Klugscheißer mehr über ihn lustig gemacht, weil er nicht gut englisch sprechen konnte, anstatt gegen seine Politik gegen die Arbeiter zu kämpfen, die überhaupt kein englisch können."Leider" wirst du damit recht haben, dass Angela Merkel(ich dachte immer ,sie wäre die Rache von Erich Honecker) weiter auf dem Berliner Spielplan steht. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Was ist der Unterschied von der Sonne und Angela Merkel? Die Sonne geht im Osten auf-die Merkel geht im Osten unter.


Am 18. Juni 2017 schrieb Alexander Kocks:

Nach 2 Tagen Dauerheuchelei, Hosianah und Trauerbekleidung im Staatsfernsehen und in den MSM ist es eine Wohltat einen nüchternen
Nachruf auf den Verstorbenen zu lesen. Mir fehlt im Nachruf lediglich ein zarter Hinweis auf die vielen Bargeldumschläge die der Beauftragte des Flick Konzerns dem Verstorbenen in die Taschen gesteckt hat.
Positiv rechne ich Herrn Kohl an, dass er ein freundschaftliches Verhältnis zu Russland gesucht und er selbst es vermieden hat die BRD in einen Krieg zu verwickeln, obwohl der Druck zum 1. Irak Krieg wohl gewaltig gewesen sein muss.
Möge er in Frieden ruhen.


Am 18. Juni 2017 schrieb Günther Mann:

Anschluss Österreichs unter Beifall der Österreicher
Anschluss der DDR unter Beifall des DDR-Bewohner
Machtausdehnung über den größte Teil Europas durch Krieg
Machtausdehnung über den größte Teil Europas durch Politik
Anfriff und Zerschlagung Yugo
Anfriff und Zerschlagung Yugo
Erfolgloser Angriffskrieg gegen UdSSR
Zerstörung der UdSSR durch Politik
Der Vergleich hinkt: AH wurde nie mit Eierrn beworfen und ging auch nicht fäusteschwingend auf deutsche Untertanen los.
AH hatte auch keinen Nachfolger, HK hat AM.


Am 18. Juni 2017 schrieb Folker Hoffmann:

Übrig bleibt nur ein pfälzer Saumagen als immerwährende Erinnerung an den größten Ehrenwortler der deutschen Nachkriegsgeschichtler.


Am 18. Juni 2017 schrieb Gerhard Guldner:

Brillant und bitter notwendig.


Am 18. Juni 2017 schrieb Andreas Schell:

Vielen Dank für diesen sehr guten Nachruf.

Als Helmut Kohl starb, zogen unsere beiden großen, regierungstreuen = öffentlich rechtlichen Fernsehsender so viele Stunden Sendezeit über das große Vermächtnis eines großen Staatsmannes aus dem Hut, dass man misstrauisch werden musste: hatten die schon zu Kohls Lebzeiten für den Fall der Fälle Wochenlang abgeschmeckt, wie großartig der Altkanzler war? Hatte man, als Kohl seine letzten Wochen erlebte, schon Drehbücher abzuarbeiten: "der Altkanzler ist tot, lasst uns ihm ein Denkmal setzen"? Klar war auch die Spendenaffäre Thema, über die Kohl sich endgültig als der korrupte Lump diskreditierte, der auch er war, aber da war noch etwas: eine erneute, ganz besonders unterwürfige Huldigung an Frau Merkel, die damals die CDU aus dem Sumpf zog.

Die gute, in Lateinbüchern zu lesende Sitte, über Tote nichts Negatives zu sagen, bliebe doch unberührt, wenn man Kohl als das darstellen würde, was er war. Er war einfach nur da. Weder hat er irgend einen Beitrag zur deutschen Einheit geleistet, noch war die Politik, die er vertrat, von besonderer Weitsicht geprägt. Schmidt nahm ihn zu Recht nicht ernst.

Mir fällt als Beispiel spontan die Verlängerung der Wehrpflicht auf 18 Monate irgendwo 1989 ein, dicht gefolgt von einer Verkürzung nach "Neubewertung der Bedrohungslage in Folge der deutschen Wiedervereinigung." Das brachte damals einem kompletten Jahrgang die Lebensplanung durcheinander, insbesondere denen, die Zivildienst leisteten. U.a. daran mag man erkennen, dass die Regierung unter Kanzler Kohl nicht die geringste Ahnung hatte, ob, wann und wie der Mauerfall ablaufen wird. Der ist denen einfach nur passiert, und Kohl stand halt groß und breit mitten im Getümmel. Den Titel "Kanzler der Einheit" will ich ihm ja gar nicht absprechen - auf der Zeitachse war er das unzweifelhaft. Ansonsten ist die Erinnerung nicht die an einen entscheidungsfreudigen Macher, sondern an einen, der das Aussitzen buchstäblich für sich gepachtet hatte. Krieg musste er keinen für seine Auftraggeber führen - die Annexion der DDR und der anschließende Raubzug von Versicherungen, Banken, Autokonzernen, Immobilienhaien und Treuhand-Geiern spülte genug Geld in die Kassen. Die Russen konnte man damals bei den Guten lassen, denn Gorbatschow spurte auf West-Linie.

Kohls wahres Vermächtnis ist eine ganz bestimmte Art, Politik zu machen. Nach außen ändert sich am Besten gar nichts und der deutsche Michel wiegt sich in Sicherheit. Wichtige Entscheidungen fallen im Verborgenen, blitzschnell und von den Medien kaum beachtet. Es darf sich bloß nichts herumsprechen. Siehe gerade eben durch den Bundestag gepeitschte Grundgesetzänderung. Das hat Frau Merkel von ihrem einstigen Gönner gut gelernt.


Am 18. Juni 2017 schrieb Gerd Henning:

Von Pietät halten Sie wohl gar nichts?!

Antwort von U. Gellermann:

Das hängt vom Fall ab.


Am 18. Juni 2017 schrieb AleKsander von Korty:

Welch exzellent gelungener Nachruf auf einen Saumagen


Am 18. Juni 2017 schrieb Alles nur Satire:

Danke!

Diese Bestandsaufnahme war so nötig, wie richtig.

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